Seid mal wanderlustig!

Allgemein, Berlin, Kunst Überall

Karl Eduard Biermann, Das Wetterhorn, 1830, Öl auf LeinwandWer nicht die Möglichkeit hatte seine Sachen auf den Rücken zu klemmen und ein Sommerabenteuer zu erleben, der sollte sich auf die Socken machen für einen Kurztrip in die Alte Nationalgalerie. Wanderschuhe nicht vergessen! Auch wenn die Galerie nicht jedermann in seinen Bann zieht, so hat die derzeitige Ausstellung ,,Wanderlust” tausende Besucher neugierig gemacht. Es scheint so als würde der Hype fürs Wandern erst seit einigen Jahren andauern, tatsächlich hatten die Menschen schon immer großes Interesse, zu erkunden, oder aber einfach spazieren zu gehen.  

Auf den ersten Blick wird vielleicht nicht klar, wie sich Kunst und Wanderschaft überschneiden. Nach der Ausstellung seht ihr das anders.

Beim Wandern werden uns neue Einblicke in die Schönheit der Natur gegeben und so haben sich auch viele Maler in Europa die Leinwand unter den Arm geklemmt und nach romantischen Motiven gesucht. Durch das Wandern und Forschen entdeckten wir mehr und mehr, was unsere Welt zu bieten hat und so wurde die Entdeckung der Natur ebenfalls zum Thema der Ausstellung.  

Bekannte Künstler, wie Casper David Friedrich und Karl Friedrich Schinkel und weniger bekannte Künstler wie Carl Blechen und Gustave Coubert nehmen einen mit in die Romantik.  

Weit brauchen wir gar nicht weit fahren, denn wie durch ein Fenster schaut man in die Alpen und die Highlands von Schottland. Insgesamt sind Künstler aus Deutschland, Dänemark, Frankreich, Norwegen bis hin Großbritannien und Russland vertreten.

 

,,Ich fühl’s, wenn ich gehe in der freien Luft, im Wald oder an den Bergen hinauf, da liegt ein Rhythmus in meiner Seele, nach dem muß ich denken, und meine Stimmung ändert sich im Takt.” – Bettina von Arnim (Die Günderode)

 

Mit der Ausstellung werden nicht nur Kunstwerke sondern auch literarische Notizen gezeigt, trotzdem bleiben die Leinwände der Hingucker und es tut gut die malerischen Landschaften mit den Augen zu erkunden.

Also, lasst euch bis zum 16.September die ca. 120 Bilder nicht entgehen und wandert, spaziert oder schlendert durch die verschiedenen Räume des 19. Jahrhunderts.

Auf http://wanderlustinberlin.de bekommt ihr noch mehr Einblicke und alle Informationen zur Ausstellung und wenn ihr dort seid, lohnt es sich auch, die gesamte Galerie zu sehen.

Jens Ferdinand Willumsen: Bergsteigerin, 1912

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Fotografiert! Solange es noch möglich ist

Allgemein, Berlin, Kunst Überall

Los! Schnell! Es ist nicht mehr lange bis es verschwindet! Was? Kultur!

Wer in Berlin lebt weiß – es mangelt uns nicht an Kultur. Es mangelt uns nicht an Möglichkeiten unsere Seele zu bereichern, denn wie die Pariserinnen so schön sagen:

,, Kunst und Kultur ist wie gesundes Essen und lässt den Teint strahlen.“

In den Seitenstraßen der Berliner Viertel spazierte ich entlang, auf der Suche nach nichts, betrachtete nur die immer mal auftauchende Reflexion meiner selbst in den Schaufenstern und Glastüren bis mein Blick auf die Cover der Zeitschriften fiel. Die strahlenden Gesichter der perfekten Models und die neben stehenden Schlagzeilen. Ein Gesicht stach ganz besonders hervor. Eine Schwarz-Weiß  Foto eines Mannes dessen linkes Auge mit einem wahnsinnigem Blick den Betrachter durchbohrte.DSC_0378

Ich trat näher und las den Namen ,,Irving Penn“. Ich kannte ihn nicht, aber ich wusste, ich würde es herausfinden. Tatsächlich stand ich in wenigen Wochen vor dem Amerika Haus – das c/o Berlin und das Gesicht des Mannes, der sich später als Pablo Picasso herausstellte, schaute mich immer noch so wahnsinnig an.DSC_0329.JPG

Die Ausstellung gilt als einer der beliebtesten zurzeit, denn Irving Penn war vor allem als Fotograf bei der Vogue tätig, fotografierte aber nicht nur magere Models. DSC_0344

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Salvador

 

Mit seiner Rolleiflex fotografierte er Zigaretten mit Bedeutung, und Blumen sowie Verpackungen als hätten sie Gesichter. Schwarz-Weiß Bilder von allerlei Berühmtheiten waren ausgestellt und seine Reihe an ,,Nudes“ also mal nackte Haut á la Venus.

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In den spärlich beleuchteten Räumen sah man die Gesichter der Bäcker, Kellner und Handwerker. Aber auch Menschen, die wir sonst nicht zu Gesicht bekommen. Bemalte Gesichter afrikanischer Frauen schauten mich an. Die Haut voller beabsichtigter Narben- ein Zeichen für Stärke und Schönheit, hatte ich gelernt.

Zwei Etagen waren voll mit den Photographien  und jedes war wert, gesehen zu werden. Jedoch ist es nicht mehr lang bis die Ausstellung vorbei ist, also  nicht nach dem 1. Juli dort auftauchen. Das schon vielleicht, wenn die folgenden Ausstellungen ebenso gut sein werden, aber Irving Penn wird gehen.

Füllt euch mit guter Kunst im c/o und genießt es die Welt mit neuen Augen zu sehen. DSC_0361

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DSC_0333Amerika Haus

Hier der Link direkt zur Internetseite c/o Berlin   Zu finden ist das Haus gleich neben dem S-Bahnhof Zoologischer Garten

Hinter jedem Klick verbirgt sich eine Geschichte, ein Auftrag, eine Intention und vor allem aber eine Leidenschaft.

 

 

 

Es steht mir im Gesicht geschrieben

Allgemein, Kunst Überall, Learn

Schreib! Schreib, über das, was dir wichtig ist! Schreib über alles, was dich stört! Schreib über das, was dich berührt, was dich aufregt. Schreib über das, was du ändern willst. Auch, wenn du nur eine kleine Stimme im Vogelgeschrei des Dschungels bist. Schreib, über die Dinge, um die du dich sorgst. Schreib, über das, was dich begeistert. Was wäre denn diese Welt ohne die Vielfalt der Dinge?

So viele Blogger, Kolumnisten,Alltagszwitscherer, Journalisten. Wenn wir davon ausgehen, dass sie schon alles gesagt haben, liegen wir weit daneben. Wenn wir davon ausgehen, alles was sie schreiben sei richtig, liegen wir weit weit weit daneben. Ein Glück gibt es genug Möglichkeiten, von sich hören zu lassen- manchmal mehr als nötig.

Lass dich nicht erdrücken von der Vielzahl des Bereitsgesagten, der Vielzahl, der Menschen, die bereits ihre Meinung sagen. Hab keine Angst vor dem Gedanken, sowieso nicht wahrgenommen zu werden. Wenn ich so gedacht hätte, würdest du das jetzt nicht lesen.

In dieser Welt in der jede einzelne Meinung zählt und doch, durch die Vielzahl unterzugehen scheint, in dieser Welt müssen wir unsere eigene Stimme finden. Nicht nur, um gelesen und gehört zu werden, von wem auch immer, sondern auch, um uns selbst zu hören, selbst zu erkennen, was wir denken. Schreib. Fang einfach an.

Maybe it was already told, but not by you!

Vor einem Jahr habe ich genau das getan. Wortwörtlich habe ich Worte  und Aussagen verbunden, nicht nur getippt oder mit der Hand Buchstaben aus Tinte geformt, sondern gestempelt. Mühselig jeden einzelnen Buchstaben in die Druckerfarbe gedrückt- zuerst Blau, dann Rot, damit sie ein großes Ganzes aus Gedanken und Geschichten ergeben. Worte wurden zu Sätzen und Sätze zu Aussagen, die nach und nach linienartig mein Gesicht und mein Haar bildeten. Durch das, was ich da gefunden und gedacht habe, erkannte ich meine Stimme. Meine Botschaft, die aus so viel Liebe, Erschütterung, Empörung und Endgültigkeit bestand. Ich konnte all das teilen, über mein Abbild, meinen leider etwas zu wütend gewordenen Blick und über die lila Worte, durch die all das entstanden war.

Meine Botschaft betrifft all die Töchter, Mütter, Freundinnen, aber genauso all die Freunde, Väter, Brüder. Es sind die Reaktionen und das Verhalten, die viele vom jeweils anderem zu spüren bekommen. Einige mehr andere weniger, aber wenn wir die Augen öffnen, einfach nur Dinge bemerken, dann erkennen wir all die Widersprüche. Es ist die ständige Erniedrigung. Das elende Festhalten an alten Stereotypen. Die niemals endende häusliche Gewalt. Das Klassifizieren und Objektivieren. Das Definieren von Gleichheit zwischen Mann und Frau, denn Feminismus beinhaltet nicht nur Frauen. Das ist etwas, was ich während meiner Recherchen immer wieder erkannt habe. Viele denken Feminismus beinhalte nur Frauen, aber dem ist nicht so. Feminismus bedeutet so viel mehr, als Frauenstärke.

Tatsächlich ist dieses gesamte Problem so riesig, dass mein Gesicht dafür nicht ausgereicht hat. Und Zeit – Zeit spielt auch eine Rolle, denn es bringt mir wenig, mein Leben mit dem Drucken von Buchstaben zu verbringen. Aber es war ein Anfang, richtig? Es ist ein nie endender Prozess, denn es ist ein so altes Problem mit immer neuen Geschichten und Ereignissen. Es beginnt mit einem Tweet, einem Hashtag, einer kurzen Bemerkung. Dann fangen wir an, zu entwickeln. Wir reagieren und handeln. Schreiben und Handeln-der perfekte Ausgleich!

Jeder hat mindestens eine Botschaft, die er ins sich trägt, eingebettet in die unermüdliche Empörung über eine Sache. So als würde dich insgeheim jedes Mal etwas  aufregen und endlich kannst du dich ausreden, kannst sagen, wie sehr es dich stört.

Der Kopf wartet nur darauf, geöffnet zu werden, die geborgenen Botschaften nach außen fliegen zu lassen. Also, schreib, um diese Botschaften empor fliegen zu sehen.

Wir schreiben und reden und teilen und damit sollten wir niemals aufhören. Doch sei gewarnt, denke bevor du etwas aussagst, wäge ab und informier dich, bevor du urteilst.


Ich habe dieses ,,Projekt“ in der Freien Kunstklasse realisieren können und bin sehr dankbar dafür. Unter folgendem Link findet ihr die Seite dazu.                                 https://freie-kunstklasse.de/kristina-vasilevskaja

Informiert euch