Seid mal wanderlustig!

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Karl Eduard Biermann, Das Wetterhorn, 1830, Öl auf LeinwandWer nicht die Möglichkeit hatte seine Sachen auf den Rücken zu klemmen und ein Sommerabenteuer zu erleben, der sollte sich auf die Socken machen für einen Kurztrip in die Alte Nationalgalerie. Wanderschuhe nicht vergessen! Auch wenn die Galerie nicht jedermann in seinen Bann zieht, so hat die derzeitige Ausstellung ,,Wanderlust” tausende Besucher neugierig gemacht. Es scheint so als würde der Hype fürs Wandern erst seit einigen Jahren andauern, tatsächlich hatten die Menschen schon immer großes Interesse, zu erkunden, oder aber einfach spazieren zu gehen.  

Auf den ersten Blick wird vielleicht nicht klar, wie sich Kunst und Wanderschaft überschneiden. Nach der Ausstellung seht ihr das anders.

Beim Wandern werden uns neue Einblicke in die Schönheit der Natur gegeben und so haben sich auch viele Maler in Europa die Leinwand unter den Arm geklemmt und nach romantischen Motiven gesucht. Durch das Wandern und Forschen entdeckten wir mehr und mehr, was unsere Welt zu bieten hat und so wurde die Entdeckung der Natur ebenfalls zum Thema der Ausstellung.  

Bekannte Künstler, wie Casper David Friedrich und Karl Friedrich Schinkel und weniger bekannte Künstler wie Carl Blechen und Gustave Coubert nehmen einen mit in die Romantik.  

Weit brauchen wir gar nicht weit fahren, denn wie durch ein Fenster schaut man in die Alpen und die Highlands von Schottland. Insgesamt sind Künstler aus Deutschland, Dänemark, Frankreich, Norwegen bis hin Großbritannien und Russland vertreten.

 

,,Ich fühl’s, wenn ich gehe in der freien Luft, im Wald oder an den Bergen hinauf, da liegt ein Rhythmus in meiner Seele, nach dem muß ich denken, und meine Stimmung ändert sich im Takt.” – Bettina von Arnim (Die Günderode)

 

Mit der Ausstellung werden nicht nur Kunstwerke sondern auch literarische Notizen gezeigt, trotzdem bleiben die Leinwände der Hingucker und es tut gut die malerischen Landschaften mit den Augen zu erkunden.

Also, lasst euch bis zum 16.September die ca. 120 Bilder nicht entgehen und wandert, spaziert oder schlendert durch die verschiedenen Räume des 19. Jahrhunderts.

Auf http://wanderlustinberlin.de bekommt ihr noch mehr Einblicke und alle Informationen zur Ausstellung und wenn ihr dort seid, lohnt es sich auch, die gesamte Galerie zu sehen.

Jens Ferdinand Willumsen: Bergsteigerin, 1912

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Wie schreibt man Winter?

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Einige setzen ihre Skihelme auf, die Schnallen der Skier fest an die Fußsohlen geklebt, andere fliegen auf einsame Sonneninseln, ich dagegen verwöhnte meinen Geist mit Literatur und guten Menschen. Fragt sich nun, was besser ist.

Es war ein sonniger Montag und für die meisten der Beginn einer weiteren Arbeitswoche. Für die Berliner Jugend der Beginn einer schulfreien Woche. Ich will nicht prahlen – ich stelle fest und meine, dass die Sonnenstrahlen auf das Lächeln eines Jeden wirken sollten. Winter ist doch gleich viel angenehmer, wenn klarer Himmel die vom Schnee gezeichneten Straßen erhellt.

Angekommen am Gleis war bereits eine bunte Menge Leute versammelt, die sich aufgeregt unterhielt. Mit jeder neu ankommenden Person stieg die Vorfreude, bis dann schließlich der Zug nach Trebnitz eintraf. Es wurde so viel erzählt, jeder kannte Jeden und hatte den Anderen monatelang nicht gesehen. Die Vorfreude und Energie der Anderen war so ansteckend. Ich fragte nach Namen und stellte genauso oft die Frage ,,Wie oft warst du schon in Trebnitz?“ Und verwechselte auch noch alles.

Drei Dinge wurden mir an meinem ersten Tag bewusst:

1. Die Mitglieder der Literaturwoche, oder wie sie inoffiziell genannt wurde ,,das Spezi“ waren eine große Familie. Ein Grund dafür ist einfach, weil so viele schon so oft dort gewesen waren und auch, weil so viel Vertraulichkeit in der Luft lag.

2. ,,Wie fühlt es sich an, wieder nach Trebnitz zu kommen?“ ,,Wie für eine kurze Zeit nach Hause zu fahren.“

3. Das Spezi ist eine riesige Tradition bestehend aus etlichen kleineren Traditionen und Ritualen. Angefangen von ,,Hallo, Hallo?“ – ,,Wir sind’s!“ Zur Begrüßung bis zum Anklagen eines vermeintlichen Zaubertrolls.

Einer meiner Lieblingsbräuche war das Energizing. Es gab eine Auswahl an verschiedenen sinnfreien, aber äußerst witzigen Einheiten, die wir durchführten, wenn sich ein wenig ,,meh“ oder ,,eh..“ gefühlt wurde. (Ausgesprochen, klingt das verständlicher)

Es gab den Wotanshou Tanz, der von dänischen Pfadfindern nachempfunden wurde. Man spricht dabei eigenartige Reihen von skandinavisch klingenden Worten und hampelt mit den Beinen und Armen in einer bestimmten Reihenfolge – klingt doch wundervoll! So sprachen und bewegten wir uns alle zusammen, damit es gemeinsam total belämmert aussah und das machte Spaß.

Ein weiterer Energizer handelt von einer Banane, die zuerst geschält, dann geschnitten, gegessen und schließlich ausgekotzt wird. Begleitet wird diese Einheit von sinnlosen Wörtern, die, wie ein Mix aus Latein und Italienisch klingen. Einfach herrlich! (Die Sprache kann man sich ein wenig wie bei dem Minions vorstellen)

Einen weiteren Teil der Woche, den ich sehr genossen habe, waren die originellen Tischgespräche. Ein ganz interessanter Gedanke war die Etablierung von Muttermilch und Muttermilchprodukten. Es wurde kontrovers diskutiert inwieweit ethisch vertretbar die Durchführung wäre und wer überhaupt aus Muttermilch hergestellten Yoghurt essen würde. Atomkraftwerke und die Wehrpflicht waren ebenfalls häufige Themen. (Ich hoffe das darf ich herausplaudern)

Der eigentliche Kern dieser Woche lag jedoch bei unseren Texten, die wir am Ende in einer Lesung vorstellten. Texte, die noch nicht geschrieben wurden und zu denen die meisten noch keinerlei Ideen hatten. Also Fingen wir an mit Workshops zum Basteln von Briefumschlägen und dem Erstellen einer Spezi-Gestalt. Macht Sinn. Macht Spaß.

Schließlich hatten wir an unserem ersten Tag wunderschön gestaltete Briefumschläge für jeden. Diese wurden an eine Pinnwand geheftet und jeder konnte jedem, anonym oder auch nicht, Botschaften schenken. An diesem Montag war auch Sascha Kim Andrea geboren: eine Gestalt, dass uns durch das Spezi begleiten sollte und unsere Erinnerungen sammelte. Ihre Persönlichkeit wurde über die ganze Woche hinweg von allen Teilnehmern vervollständigt. Neben „SKA“gab es noch weitere herumlungernde Wesen, nämlich die geheimen vom Los auserwählten Trolle, die Leute verzaubern konnten. Und neben all diesen schönen Dingen hatten wir noch einen Text zu schreiben! Gut, dass da noch die verlockenden täglichen Workshops waren, die mit ihren Themen über verlassene Inseln, Lyrik und Surrealismus die Zeit noch schneller vergehen ließen.

Der letzte Abend war das große Highlight an dem wir Uns Sketche ausgedacht hatten und aufführten. Danach folgte eine weitere Tradition: das Bücherschreiben. Jeder durfte sich ein Buch aussuchen, worin dann Jeder eine Eintragung hinterließ. Die Bücher wurden mit den liebevollen Eintragungen dann noch viel wertvoller. Ich liebte es all die verschiedenen Handschriften zu lesen, die verrieten, wie gemocht ich wurde. Manchmal war es doch besser als jede Schokolade, sich von geliebten Menschen mit Worten und Gedanken verwöhnen zu lassen.

Dinge, die ich von der Literaturwoche gelernt habe

  • Umgeben sein von wundervollen Menschen, die dir gut tun, ist besser als jeder Luxusurlaub
  • Inspiration lässt dein Herz, wie Schokolade im Sommer schmelzen, nur dass du nicht auf den Sommer warten brauchst
  • Durch Öffnen der Ohren und der Seele zu Anderen findest du Kreativität und Inspiration
  • Inspiration findest du auch durch einfaches Beobachten und Hinterfragen deiner Umgebung

Ich hatte das Glück, diese Eindrücke und Erinnerungen im Schloss Trebnitz mit den kreativsten und einzigartigsten Menschen zu sammeln. In den prächtigen Räumen des Schlosses widmeten wir uns dem, was uns verband und unsere Seelen erfüllte- dem Schreiben, jedenfalls im besten Fall.

Den kleinen gefrorenen See in der Winterlandschaft beobachtend, umrahmt von Schilf und Gräsern , die vom feinem Schnee gesprenkelt waren;Baumstumpfe und Holzbänke vervollständigten dieses idyllische Bild und es entstand der perfekte Ort, um Gespräche über Menschen und das Universum mit den interessantesten Menschen zu führen.

Nun leide ich und freue mich zu gleich. Post-Spezi-Depression. Wenn du nicht wahrhaben willst, dass es vorbei ist, dass diese wundervollen Menschen wieder in ganz Deutschland zerstreut sind. Wenn du mit aller Kraft versuchst in den normalen Alltag zurückzukehren, fern von abstrusen Energizern, die sich nur Pfadfinder aus Dänemark hätten ausdenken können, kuriosen Gesprächen beim Essen und den Morden in den Werwolfspielen um Mitternacht.

Diese Woche war so gefüllt mit Freundlichkeit und Herzenswärme. Ich bin so unendlich glücklich und dankbar, diese Kreativität und diese Menschen und all das Schreiben verspürt zu haben.

Ich danke den Schreibenden Schülern und ihren Unterstützern für so etwas wie das Spezi. Ich habe niemanden getroffen, der nicht gern dort war, der nicht gern Teil dieser wundervollen Familie sein durfte.

Ich danke auch Renate Zimmerman, der ich so viel zu verdanken habe und, die mich dem Schreiben und allem was dazu gehört stets näher gebracht hat.

Philosophie in der Autobahntankstelle

Allgemein, Stories
Eine Geschichte über Stille, Zeit und das Fragen nach dem Sinn der Existenz

Tapp. Tapp…tapp. Finger. Einer nach dem anderen berührt den Tresen im Takt. Tapp..tapp…tapp. Tropfen.Einer nach dem anderen berührt leise den Waschbeckenboden. Und sonst nichts. Nur Stille, die so unendlich weit zu sein scheint. Da ist noch etwas- leise, wegen der Gewohnheit schon fast überhörbar: das Ticken der 1-Dollar-Uhr über dem Türrahmen.

Es wird nicht gelangweilt Kaugummi gekaut, keine Fingernägel gefeilt, wie sie es aus den Filmen kennt von den Leuten, die sich langweilen.

Zeit vergeht und sie ist hier, freiwillig und dennoch nicht frei. Sie ist nicht gefangen, kann aber trotzdem nicht fliehen.

Sie denkt, dass es vielleicht ein Fehler war, hier zu sein, aber gleichzeitig ist alles so, wie es kommen musste, jeder Streit und jede Fahrt ins Dunkle. Das sagt sie sich jedenfalls jedes Mal, wenn sie unzufrieden ist mit ihrer Situation und wenn etwas gut läuft, dann war sie es  ganz allein- nicht das Universum.

Sie ist nicht sicher, was genau, sie hierher verschlagen hat. Müssen manche Menschen minderwertige Dinge übernehmen? Wie ein einsamer Eisverkäufer am Nordpol, so fühlt sie sich jedenfalls. Was ist die Antwort auf die Existenz jedes einzelnen Menschen? Was ist das Warum?  Sie glaubt fest daran, dass jeder geborene Mensch eine Aufgabe bekommt, von wem, weiß sie nicht genau- sie ist nicht gläubig, aber auch nicht Atheistin.

Wir kommen dem Lösen unseres eigenen Problems im Laufe des Lebens sicher immer näher durch unser Gefühl, aber genauso gut, ist es möglich, vom Weg abzukommen. Ist sie bereits von ihrem Weg abgekommen? Sie sieht sich jedenfalls nicht, weiter Pflastersteine legen. Im Moment ganz bestimmt nicht.

Tapp..tapp…tapp. Sie könnte versuchen, den Wasserhahn zu reparieren, ja das könnte sie wohl, wenn sie nicht so damit beschäftigt wäre, über den Sinn des Lebens nachzudenken und einen Nutzen hatte das auch nicht wirklich, denn zu einem Ergebnis wird sie nicht kommen.

Tun die Anderen denn nützliche Dinge? Und was ist denn überhaupt nützlich? Ihre Brüder jedenfalls nicht- in keiner Weise. Ihre ständig arbeitende Mutter vielleicht für die Familie als Stütze und Person und ihr Vater? Ihr Vater, der mehr Zeit unter Autobäuchen verbrachte als im Bett schlafend.

Tapp..tapp..tapp und dann ein kurzes augenblickliches Aufleuchten von draußen. Sie hebt den Kopf, die Nasenspitze zur Tür gerichtet und die Finger still auf dem Tresen liegen. Sie schaut und wartet bis sie eine Autotür zuklappen hört und jemand kommt, vielleicht ein paar Worte sagt, ihr einen schönen Tag wünscht, doch sie hört nur das leise Quietschen aus der Werkstatt nebenan.  Die Tür öffnet sich nicht und die etlichen Tüten Chips in den Regalen verstauben noch mehr und das Verfallsdatum der Beef Jerkeys rückt immer näher und das Benzin scheint, noch viel stärker zu stinken. Ihre Jeanslatzhose damit zu parfümieren, so scheint es.

Tapp..tapp..tapp..Sie sieht hinab auf ihre Finger, wie sie leise auf dem Holz dumpfe Töne abgeben..tapp..tapp..tapp. Sie fragt sich, wann es aufhört, wann die Finger aufhören, sich zu bewegen, sich nicht mehr nach ihrem Willen, ihrem Kopf richten. Selbständig werden oder einfach die Lust am Bewegen verlieren. Sie war immer der Optimist der Familie gewesen, doch heute denkt sie nur an das Vergeuden von Zeit. Angestrengt und verzweifelt, aber leise. Alles ganz leise, so als hätte man vergessen, wo der Lautstärkeknopf war.

Es liegt am Wetter. Es liegt immer am Wetter. Eigentlich liegt es doch daran, dass heute nur ein Kunde Halt gemacht hatte.

Langsam, so als wäre sie versteinert gewesen, dreht sich ihr Kopf Richtung Türrahmen. Zwanzig nach Acht. Freitag. Oktober 23, 2015. Der beste Zeitpunkt, um mit Freunden mit der Bahn in Richtung Club zu fahren. Dachte sie. Jedenfalls tun das die Leute in den Filmen, die sie mit George und Michael manchmal schaut. Dann suchen sie immer nach abgelaufenem Popcorn aus dem Laden. Vor allem jetzt in der kälter werdenden Zeit liebt sie es, eingekuschelt in die Pullover ihrer Brüder auf dem alten Sofa zu lümmeln und sich von ihren Eigenarten berieseln zu lassen. Wie sie manchmal anfangen, vom Auswandern zu erzählen, wie sie es in RealityShows gesehen hatten. Sie erzählen ihr, wie sie zusammen ihren eigenen Elektrofachladen aufmachen wollen. Daraufhin hatte sie gelacht, aber nicht aus Verspottung. Eines Tages will sie ihren Pflastersteinweg zu Ende bauen, zurücksehen und zufrieden sein.  

Tapp..tapp..tapp.Immer noch hier.

Die Kunst des richtigen Lebens – Der Alchimist

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Es ist eben nicht jeden Tag möglich, alles zu geben. Es ist nicht jeden Tagen möglich, glücklich zu sein. Und doch ist jeder Tag so wertvoll und Zeit so kostbar.

Ich lebe(…)Wenn ich laufe, dann mache nichts außer laufen. Und wenn ich kämpfen muss, dann wird es ein ebenso guter Tag zum Sterben wie jeder andere. Denn ich lebe weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. (..) Wenn du immer in der Gegenwart bleiben kannst, dann bist du ein glücklicher Mensch. – Paulo Coelho(Der Alchimist)

So,

Warum sind wir da und was wollen wir erreichen?

Stellen wir uns den Gang des Leben vor, so ist es zuerst ein Sprung mitten ins Geschehen. Als kleines Kind krabbeln und hüpfen wir sorglos über den Wohnzimmerteppich oder die Küche und scheren uns um nichts. Wir fangen an gemächlich mit laufen an, bilden uns.                                                                                                                                                        ,,Warum?“ ,,Um später einen guten Beruf auszuüben“ ,,Wozu?“ ,,Um gutes Geld verdienen zu können“ ,,Wofür?“ ,,Um sich Wünsche zu erfüllen, Urlaub machen vielleicht und später mit einer Rente über die Runden kommen“ ,,Und dann?“ ,,Sterben.“

Und das also ist  mein Leben. Es muss doch also etwas geben, was wir anstreben, etwas das bleibt, um einen (wünschenswert) positiven Abdruck in der Welt zu hinterlassen. Wir suchen nach der Aufgabe, nach unserer Bestimmung und es ist uns nicht jeden Tag bewusst, denn wir tendieren dazu, unsere Zielen aus den Augen zu verlieren.                        Als ich in ähnlicher Weise schlicht und vorhersehbar vom Lauf des Lebens erzählt hatte, konnte ich mir vorstellen, wie mein Brieffreund auf dem Nachhauseweg aus dem Fenster der Bahn schauend über meine Worte nachdachte. ,,Meaning of life“, wie er es nannte. Schließlich antwortete er mit dem Zitat: ,,It is the fate of glass to break“(Es ist des Glases Schicksal, zu brechen), womit er die Sache so ziemlich auf den Nagel hämmert- dann einrahmt, oder einfach auf ein hübsches Kissen stickt.

Vielleicht mache ich mir auch allzu viele Gedanken, um das warum, statt einfach, das zu tun, was einen glücklich macht. Denn wenn Sinn und Freude Dingen gefunden werden, dann gibt es nichts, was novh Belang sein könnte. Wenn wir also einfach, das tun, was uns glücklich macht, erfüllen wir gleichzeitig einen Sinn?

Ein Buch, das diese Suche nach dem Lebensweg und der Liebe zum Glück immer wieder anspricht und darauf zurückgreift, ist ein möglicherweise nicht ganz bekannter Klassiker von Paulo Coelho.

Im mediterranen Andalusien erzählt er von einem jungen spanischen Hirten dem zweimal ein Schatz in der Nähe der Pyramiden im Traum erschienen ist. Ein Mädchen zeigt ihm den Weg doch kurz bevor, wacht er auf. In seiner Unschlüssigkeit wendet er sich an eine Zigeunerin, diese ist ganz begeistert und verlangt einen Teil des Schatzes. Sie zeigt ihm jedoch nicht, wie er zu den Pyramiden gelangt. Kurz darauf begegnet er einem alten Mann, der sich als König behauptet und ihm als Erster von vielen seine bereits geöffneten Augen noch weiter öffnet. Er gibt ihm den Rat auf die Zeichen zu achten und lässt ihn seine Schafe verkaufen.

Der Jüngling macht sich auf den Weg mit nichts als Hoffnung und ein wenig Geld im Rucksack. Eine faszinierende Reise durchlebt er auf dem Weg zu den Pyramiden über den Gibraltar. Es verschlägt ihn auf wandernde arabische Märkte und in Glaskunstläden. Es ist eine Reise in der er Neues erkennt und lernt. Zwischen den sandigen Wüstenstürmen und den Oasen mit den tausend Palmen am Horizont, trifft er auf die Männer und Frauen der Wüste. Er riskiert und verliert und schließlich findet man sich selbst an die Reflektion des Fensters starrend. Überlegend. Gleichzeitig mit leerem Kopf und einem Haufen Hoffnng. Doch das ist nicht alles, was es braucht. Ein Ansatz-vielleicht.

Wir sollten uns jeden Morgen fragen, was wir vom Leben wollen und wie wir einen neuen Pfad entstehen lassen können. Wir stoßen nicht urplötzlich auf eine Antwort, aber in dem wir Hinterfragen, kommen wir unserem Lebensweg näher. Lasst uns nicht einfach existieren, sondern leben! Es ist schwer, ja. Es ist eine Entdeckung, ja. Jede Entdeckung verbirgt auch Gefahren, doch eine Geschichte ohne Spannung, in der immer alles gut läuft, würde ja keiner lesen wollen, richtig?

 

Viele Wege führen zum Buch: Öffentliche Bibliotheken 

Thalia

 

Kultur to go – Vlaho Bukovac Museum

Allgemein, Kunst Überall

Kunst begleitet uns überallhin und wenn wir in der Schule saßen oder sitzen und uns dachten, wieso wir das brauchen, nun ja Kunst ist vielleicht nicht so essenziell; wie Mathematik oder Deutsch; doch auch Kunst sollte immer Platz in unserem Leben finden.
Wenn man nun sehr gut in der Schule war, viel Geld verdient, wie manch einer sich das wünscht, dann entwickelt man auch den Drang, Kunst zu kaufen.

 

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Mit einem Glas Wein in der Hand durch Galerien oder Sammlerräume laufen und sagen: ,, Das hier nehme ich. Das ist ein absolutes Muss für meine Seele und mein Wohnzimmer“; das gehört nur im entferntesten Sinne dazu. Kunst ist nicht nur für die reichen Snobs unserer Moderne gedacht. Kunst sollte für alle da sein.

,,Free to Fall“ oder : Wie ich die Entdeckung meines Lebens machte

Allgemein

Wie ein vorbildlicher Blogger, der ich, denke ich, sein will, habe ich gelesen, dass es wichtig ist seinen Blog, um sich herum zu ,,bauen“. Viele denken ja man müsse sich eine Nische suchen, aber es macht den Blog doch so einzigartig, wenn er auf uns als Individuum basiert. Wir sollten uns nicht nach der Gesellschaft verbiegen, sondern uns frei in unserer Individualität entwickeln können.

Darum, oder auch ansatzweise, geht es im Buch engl. ,,Free to Fall“ dt. ,,Eden Academy“ von Lauren Miller. Vielleicht merkt man schon an den Titeln, dass das Englische viel schöner klingt als das Deutsche. Nun, ich habe es auf englisch gelesen und war fasziniert.

Die Hauptfigur ist das Mädchen Rory Vaughn. Sie hat sich an der renommierten Theden Academy beworben und ist, wer hätte es gedacht, angenommen worden. Nach lauter Tests zu Intelligenz, Kreativität und Stabilität öffnen sich alle Türen der Welt, denn wer in Theden seinen Abschluss gemeistert hat, braucht sich keine Gedanken übers Leben mehr zu machen. Gedanken und Denken an sich spielt in dieser Geschichte eine äußerst wichtige Rolle. Wir sind nämlich im  Jahr 2034, wenn ich mich nicht irre, jedfalls in dem Dreh. Eine App namens Lux wird von der ganzen Welt genutzt, denn sie dient dazu, Entscheidungen zu treffen. ,,Lux, soll ich lieber Pizza bestellen, oder doch einen Burger?“  ,,Lux, steht mir dieses Kleid besser als das Rote?“ 

Lux weiß die Antwort. Laut der Entwicklerfirma, die mit Apple vergleichbar ist, bietet Lux eine Chance auf ein besseres Leben, denn das ist dadurch viel einfacher und man verschwendet weniger Zeit in sinnloses Nachdenken.

Doch das ist ja nicht die ganze Handlung. Rory lebt mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt. Als sie sich jedoch nach Theden aufmacht, fängt sie an Dinge zu hinterfragen und ergründet die wahre Geschichte ihrer Mutter und der Vergangenheit. Zuerst stutzt man, fragt sich, wie das kommt und wieso dies und jenes so ist und am Ende macht plötzlich alles Sinn.

Von geheimen Gesellschaften, verzwickten Missverständnissen und tödlichen Verwicklungen, sei es jetzt bloß einmal so hingestellt.

Mit Humor und viel viel Geheimnistuerei erzählt Lauren Miller eine unvergessliche Geschichte. 

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und würde es auch auf Englisch empfehlen, hoffe Deine Interesse ist geweckt, wenn Du gelesen hast, würde ich mich riesig über deine Meinung freuen. Genieß die Sommerwelle.

 

Die lange Kurzgeschichte – ,,Cigarettes“

Berlin, Stories

 

Cigarettes

,,Bist du sicher?”

,,Ja, jetzt gib schon her.”

..So schlimm?”

Ich gebe keine Antwort.

Sie gibt mir die Packung. Ich nehme sie wortlos und verschwinde aus der großen Rauchschwade, die ihren Ursprung aus den Zigaretten der 12. Klässler hat.

Stehen bleibe ich erst, als keine Stimmen mehr zu hören sind.  Wie trostlos die Gegend auch sein mag,  es gibt  wenigstens einen Park und sogar einen heruntergekommenen Spielplatz inmitten des heruntergekommenen Parks inmitten einer heruntergekommenen Stadt inmitten eines  sich-gegenseitig-mit-dem-Finger-zeigenden Landes inmitten eines Kontinents, so wunderschöner, aber natürlich auch trauriger, Ereignisse.

Hinter den Bänken des Parks versteckt sich allerlei Müll und Dinge, die nicht in einen Park gehören, aber das interessiert ja auch niemanden. Ich wende meinen Blick von den, um einen Teich stehenden,  Bänken.

Ich visiere den Spielplatz an. Vielleicht kann ich mir von der kindhaften Atmosphäre etwas erhoffen.

Meine Schuhe sinken kaum im Sand ein. Er ist schon halb versteinert von der Kälte.

Kleine Pflanzen, Blumen im Sand erzählen mir, dass Kinder hier nicht spielen. Das Unkraut sagt, dass hier schon lange nicht mehr aufgeräumt wurde.

Ich schaue einmal im Kreis umher. ,,Das sehe ich,”sage ich dem Unkraut. Die Blumen sagen nichts mehr. Sie sind ja auch nicht besonders schön.

Ich setze mich auf eine der Schaukeln. Zuerst schaukle ich lustlos, fange dann aber an, immer mehr Spaß dabei zu haben. Ich höre, wie sie quietscht, als ich zu fliegen beginne.

Die hohen Bäume springen und die Straße ist mal da, mal nicht. Ich lache in mich hinein, doch brauche ich mich eigentlich vor nichts und niemanden zu fürchten, denn ich bin ganz allein! Keiner könnte mich hören!

Ich bin ganz allein. Keiner hört mich.

Die Schaukel pendelt aus bis ich komplett stehen bleibe. Ich halte inne. Klar, ich habe ja zwei drei Menschen, dich mich leiden können und wenn ich nach Hause komme..

,,Manchmal muss man nicht weiterdenken”, sage ich der anderen Schaukel neben mir.

Der Park ist so leer, ich könnte tanzen und keiner würde es bemerken, aber ich tanze nicht. Meine Gestalt, so zusammengekrümmt von all der Last auf meinen Schultern.

Letztendlich lasse ich mich mit einem Seufzer auf eine der alten Holzbänke nieder.

Die Packung Zigaretten aus meiner Jacke. Ich betrachte sie. Fünf Stück liegen noch drin. Ich nehme mir eine heraus und rolle sie zwischen meinen kalten Fingern hin und her.

Wie ein Geistesblitz, kommt mir in den Kopf, dass ich ja gar kein Feuerzeug habe. Genervt fluche ich den Boden an.

Ein Schatten auf dem Boden verrät mir, dass jemand näher kommt.

Langsam schaue ich hoch. Ein Paar alte Arbeitsschuhe, eine dreckige Jeanshose, eine dünne Parka und ein bärtiges Gesicht mit roter Nase blickt mich an.

Der Bart des Mannes ist so lang, ich könnte nicht ausrechnen, wie viele Dreitagebärte das hintereinander wären. Ich erwische mich dabei, wie ich mich sofort von ihm abgewandt habe. In eine Schockstarre versetzt, aber bereit, los zu laufen.   

,,Feuer?”, lächelt er mich an und streckt mir sein Feuerzeug entgegen. Viele seiner Zähne sind schwarz. Ich kenne mich nicht gut genug in Bio aus, um die Ursachen zu ergründen.

Ich strecke meine Zigarette wortlos gegen die Flamme.

,,Kann ich mich setzen, junge Dame?”

,,Gehen Sie.”

,,Vielen Dank”, sagt er immer noch lächelnd und setzt sich.

Eine Weile sitzen wir so da. Die Falten an seinen Augenwinkel deuten darauf hin, dass er früher gern und oft gelacht hat, aber das muss schon Jahre her sein. Ist er glücklich?

Ich nehme einen Zug und fange an, zu husten.

,,Ihre Erste?”, fragt er neugierig.

,,Nicht ihre Angelegenheit.”

Er dreht sich wieder mit dem Kopf von mir weg und starrt den Teich an, der kaum noch wegen des Schilfs zu sehen ist. Das weiß ich, weil ich ihn aus dem Augenwinkel beobachte.

Ich nehme noch einen Zug diesmal kommt das Husten aus dem Innern. Mein Mund fühlt sich an, als hätte ich Asche gegessen.

,,Wieso rauchen Sie?”

,,Geht Sie nichts an.”

,,Sie können es mir ruhig sagen. Ich höre Ihnen gern zu.”

Ich sage nichts.

,,Seien Sie nicht so stur und eigensinnig.”

,,Ich bin nicht stur und eigensinnig. Ich will Ihnen einfach nichts erzählen.”

,,Wieso?”

,,Wieso?”, frage ich ungläubig.

,,Also wenn hier jemand schwerhörig wird, dann wäre ich der erste von uns beiden.”

,,Warum sind Sie hier?”

,,Weil das Leben will, dass ich hier bin.”, antwortet er.

,,Welches?”

,,Na meins natürlich, doch nicht ihr mickriges Leben.”

Ich springe von der Bank auf.

,,Hey, mein Leben ist genauso wichtig wie ihr’s!”

,,Ja ja, setzen Sie sich wieder hin”, sagt er ruhig. ,,Sehen Sie wir haben doch schon einen Fortschritt.”

,,Der wäre?”

,,Würden Sie mir helfen, wenn ich jetzt einen Herzstillstand erleiden würde?”

,,Natürlich.”, sage ich, wie aus der Pistole, jedoch nicht sicher wie ich helfen könnte.

,,Und warum?”

,,Was soll denn diese Frage? Ich würde Ihnen helfen, weil das menschlich ist.”

,,Oh Liebes, dieses Adjektiv ist gefährlich, aber darauf kommen wir gern später zurück. Mein Leben ist von genauso großer Bedeutung, wie Ihres. Das wäre die richtige Antwort gewesen, aber sie werden sicher noch besser. “

,,Vielleicht will ich ja gar nicht besser werden.”

,,Oh doch das wollen Sie.”

,,Woher wollen Sie das so genau wissen?”

,,Ich sehe es in ihren Augen.,”sagt er und lächelt mich wieder mit seinen furchteinflößenden Zähnen an, aber jeder Mensch entfaltet seine Schönheit, wenn er lächelt und das trifft auf jeden Fall auf ihn zu. Ein so aufrichtiges und warmes Lächeln wurde mir schon lange nicht mehr geschenkt.

Eine Weile sagen wir nichts, konzentrieren uns nur auf uns selbst.

,,Hören Sie, Sie scheinen ja ganz nett zu sein, aber ich versteh’ nicht, was sie von mir wollen?”, sage ich schließlich.

,,Ich will Ihnen helfen.”

,,Ja, aber sehen Sie denn nicht, dass Sie selbst Hilfe brauchen!”

Er verstummt, schaut nach vorn und scheint geistlich gar nicht mehr hier zu sein, so als würde er jetzt sein ganzes Leben vorbeiziehen sehen. Ich habe den wunden Punkt getroffen und fühle mich sofort schlecht dabei.

,,Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht verletzen. Ich weiß, doch eigentlich nur allzu gut, wie sich das anfühlt.”

Er starrt noch immer mit leeren Augen auf den Teich.

Diesmal tippe ich ihn an der Schulter an. Er schließt die Augen und ich atme aus.


Nach und nach werden weitere Teile der Geschichte entstehen. Vielen Dank fürs Lesen.