Wer soll dafür sorgen, dass die Dinge so verlaufen, wie du es dir vorstellst?

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DIE SINNES- DIÄT

Halt! Stopp! Nicht denken! Jetzt, jedenfalls für einen kurzen Augenblick, denn denken wird noch gefragt werden. Unsere Gedanken werden gelenkt, durch alles was uns umgibt, somit sind sehr davon abhängig, wie wir Dinge wahrnehmen.

Diät heißt nicht sofort, eine weitere Methode anders zu essen. In diesem Fall wird erklärt-  Diät bedeutet Lebensweise und dieses Buch strebt an, uns eine Lebensweise reich an Sinn zu geben. Was Sinn überhaupt ist und ob wir ihn überhaupt brauchen, wird natürlich auch vorgestellt.

Viel wichtiger ist, was das Gelesene mit uns macht, denn jedes Rezept, scheinen wir zu brauchen. Keine Kochrezepte, nein. Ein Rezept, ein Aha- Moment im Sturm der Fragen. Gleichzeitig scheint jeder Satz wie eine Herausforderung.

14 Rezepten entsprechen den 14 Kapitel  zu den Themen: Glück, Unzufriedenheit, Kommunikation, Unbekanntes, Freundschaft, Liebe, Gut und Böse, Perfektionismus, Tod, Angst und Zeit. Vor allem das Thema, nein eher Problem, Zeit, ist für uns ein markanter Punkt. Wir haben kaum Zeit und beschäftigt sein ist ein 24/7 Status.

Wer nicht aufpasst und macht über sich gewinnt wird von der Zeit verschlungen.

Wir können keine Zeit gewinnen indem wir sie sparen. Die Zeit wird immer weniger statt mehr.

Oft dachte ich mir, ob das ernst gemeint ist, ob das stimmt und man darf und soll ja auch nicht alles glauben. Hinterfragt! Das ist ebenfalls eines der Ziele dieses Buches. Zweifelt weniger und lauft nicht in eurem eigenen Hamsterrad, denn wir haben schon alles was wir brauchen, wir müssen uns dem nur öffnen. Mit jedem Rezept entdecken wir verborgene Fragen und Gedanken über unser selbst und den Menschen an sich.

Wir denken oft ,,Damit habe ich doch nichts zu tun. Das brauche ich nicht.”  

Erschreckend ist: das Buch hat seine Bestsellerlistenzeit zwar schon hinter sich, trotzdem passt jedes Problem in unser Jahrzehnt.

Traurig, dachte ich mir beim Lesen, denn anscheinend hat sich die Menschheit nicht weitgehend  entwickelt. Wie gut, dass es auch heute Gegenbewegungen gibt und Bücher, wie dieses, die uns die Augen und Köpfe öffnen wollen.

Sich losmachen vom fixieren der Dinge. Alles verändert sich. Nichts ist vorhersehbar. Nichts ist kontrollierbar. Schon gar nicht unser Leben.

Ein bisschen komisch ist es schon, dass die Philosophin und Autorin Rebekka Reinhard mit philosophischen Beratungen Menschen zu eigener Besinnung bringt. Einige lustige als auch merkwürdige Ereignisse in diesen Beratungen gibt sie wider und lässt uns nicht nur durch sie unseren eigenen Gedanken freien Lauf.  

Eudaimonia 

Sie schlägt auch eine Brücke zu verschiedenen Philosophen und philosophischen Richtungen und zeigt, was wir lernen können. Was wir aus dem Buch mitnehmen liegt ganz bei uns , denn wir müssen nicht alles sofort als wahr und richtig bezeichnen. Es gilt aber, den Blickwinkel zu erweitern und freisinnig in die Welt zu blicken.

Durch dieses Buch habe ich mehr gelernt, als mir jetzt wahrschienlich bewusst ist und ich lebe mit dem Ziel, das Leben als ein Kunstwerk zu sehen. Ein wunderschöner Gedanke, der auch aus diesem Buch stammt.

Unser Leben ist keine Option. Unser Leben ist wirklich und einzigartig. Es gibt keine Alternative. Wir müssen es leben.

Für wen ist ,,die Sinnes-Diät” ?

  • Für Menschen, die den immergleichen  Alltag satt haben, die aus ihrem Hamsterrad flüchten wollen, wenigstens gedanklich.
  • Für menschen, die bereit sind ihren Geist zu fördern
  • Für Menschen, die einfach nur dem Leben näher kommen wollen

Danke für dieses Buch, Rebekka Reinhard! Die Sinnes-Diät 

Wer soll dafür sorgen dass die Dinge so verlaufen wie du es dir vorstellst? – Seneca

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Tapete fliegt am blauen Himmel und ich schreie nach Hilfe

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Manchmal, wenn wir so vereinnahmt sind von unserem Alltag, in ein und dem selben Ablauf mit vielleicht ein paar Abweichungen feststecken, dann sehnt sich unsere Seele nach Veränderung. Einem Schwung , einer frischen Brise aus einer unentdeckten Gegend.

Wir bleiben stehen, schauen hoch zum strahlend blauen Himmel und fragen uns: Was brauche ich? Was sollte ich ändern, um nicht einfach so weiterzumachen wie bisher?

Der Himmel antwortet nichts. Natürlich- denn, es liegt an uns, herauszufinden, was wir verändern sollten. Brauche ich eine neue Frisur oder ist doch  Größeres von Nöten, um mein Leben ein Stück neuer zu gestalten. Tapetenwechsel, bitte! Aber wozu Tapeten wechseln, wenn wir sowieso nie zu Hause sind? Gut, dann immer einen neuen Weg wählen, bei  Arbeit zu fahren, aber reicht das aus?

Im Herbst einen Frühjahrsputz machen, den Kleiderschrank ausmisten, Neues finden und Altes spenden. Vielleicht ja doch ein neuer Haarschnitt. Vielleicht trage ich ab jetzt nur noch schwarz.

Die Pariserin in mir betrachtet das Problem psychoanalytisch. Ich habe ein tief in mir liegendes Bedürfnis, das nicht gestillt ist und auf trivialem Wege versucht, sich zu zeigen. Tapetenwechsel ist ein Zeichen für den Wunsch nach Veränderung, aber auf welcher Ebene? Ich bin mir sicher, wenn ich einen neuen Haarschnitt will, will ich weit mehr als einen neuen Haarschnitt.

Es wird Zeit, mal einen Schritt zurückzutreten und sein eigenes Leben, den eigenen Standort, von der Seite zu betrachten.

Wenn wir all das Zeug, was uns vermeintlich glücklich macht beiseite schieben, wenn wir die Augen öffnen für das, was uns wirklich wichtig ist, dann können wir auch entdecken, was wir brauchen.

Es ist nur dieser kleine Trippelschritt, der gemacht werden muss- objektiv einen Blick auf sein Leben werfen und sich konkrete Fragen stellen: Wie sieht mein Alltag momentan aus? Mit welchen Dingen beschäftige ich mich am Meisten? Was möchte ich eigentlich tun? Wann bin ich nicht ganz anwesend?

Ein neuer Haarschnitt ist eine Veränderung, die es wert ist, ausprobiert zu werden, aber nicht nur. Wie fühle ich mich, wenn ich mich nicht nur verändert im Spiegelbild sehe, sondern auch noch zufrieden?

Tapetenwechsel heißt Veränderung nicht nur mit dem, was wir sehen, sondern mit dem was wir erleben, also schmecken, riechen, fühlen und hören. Probier‘ Neues aus! Ganz neues, etwas woran du gar nicht gedacht hast, gar nicht in Erwägung gezogen hast zu tun und beobachte, was es mit dir macht und wie es dich verändert. 

Philosophie in der Autobahntankstelle

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Eine Geschichte über Stille, Zeit und das Fragen nach dem Sinn der Existenz

Tapp. Tapp…tapp. Finger. Einer nach dem anderen berührt den Tresen im Takt. Tapp..tapp…tapp. Tropfen.Einer nach dem anderen berührt leise den Waschbeckenboden. Und sonst nichts. Nur Stille, die so unendlich weit zu sein scheint. Da ist noch etwas- leise, wegen der Gewohnheit schon fast überhörbar: das Ticken der 1-Dollar-Uhr über dem Türrahmen.

Es wird nicht gelangweilt Kaugummi gekaut, keine Fingernägel gefeilt, wie sie es aus den Filmen kennt von den Leuten, die sich langweilen.

Zeit vergeht und sie ist hier, freiwillig und dennoch nicht frei. Sie ist nicht gefangen, kann aber trotzdem nicht fliehen.

Sie denkt, dass es vielleicht ein Fehler war, hier zu sein, aber gleichzeitig ist alles so, wie es kommen musste, jeder Streit und jede Fahrt ins Dunkle. Das sagt sie sich jedenfalls jedes Mal, wenn sie unzufrieden ist mit ihrer Situation und wenn etwas gut läuft, dann war sie es  ganz allein- nicht das Universum.

Sie ist nicht sicher, was genau, sie hierher verschlagen hat. Müssen manche Menschen minderwertige Dinge übernehmen? Wie ein einsamer Eisverkäufer am Nordpol, so fühlt sie sich jedenfalls. Was ist die Antwort auf die Existenz jedes einzelnen Menschen? Was ist das Warum?  Sie glaubt fest daran, dass jeder geborene Mensch eine Aufgabe bekommt, von wem, weiß sie nicht genau- sie ist nicht gläubig, aber auch nicht Atheistin.

Wir kommen dem Lösen unseres eigenen Problems im Laufe des Lebens sicher immer näher durch unser Gefühl, aber genauso gut, ist es möglich, vom Weg abzukommen. Ist sie bereits von ihrem Weg abgekommen? Sie sieht sich jedenfalls nicht, weiter Pflastersteine legen. Im Moment ganz bestimmt nicht.

Tapp..tapp…tapp. Sie könnte versuchen, den Wasserhahn zu reparieren, ja das könnte sie wohl, wenn sie nicht so damit beschäftigt wäre, über den Sinn des Lebens nachzudenken und einen Nutzen hatte das auch nicht wirklich, denn zu einem Ergebnis wird sie nicht kommen.

Tun die Anderen denn nützliche Dinge? Und was ist denn überhaupt nützlich? Ihre Brüder jedenfalls nicht- in keiner Weise. Ihre ständig arbeitende Mutter vielleicht für die Familie als Stütze und Person und ihr Vater? Ihr Vater, der mehr Zeit unter Autobäuchen verbrachte als im Bett schlafend.

Tapp..tapp..tapp und dann ein kurzes augenblickliches Aufleuchten von draußen. Sie hebt den Kopf, die Nasenspitze zur Tür gerichtet und die Finger still auf dem Tresen liegen. Sie schaut und wartet bis sie eine Autotür zuklappen hört und jemand kommt, vielleicht ein paar Worte sagt, ihr einen schönen Tag wünscht, doch sie hört nur das leise Quietschen aus der Werkstatt nebenan.  Die Tür öffnet sich nicht und die etlichen Tüten Chips in den Regalen verstauben noch mehr und das Verfallsdatum der Beef Jerkeys rückt immer näher und das Benzin scheint, noch viel stärker zu stinken. Ihre Jeanslatzhose damit zu parfümieren, so scheint es.

Tapp..tapp..tapp..Sie sieht hinab auf ihre Finger, wie sie leise auf dem Holz dumpfe Töne abgeben..tapp..tapp..tapp. Sie fragt sich, wann es aufhört, wann die Finger aufhören, sich zu bewegen, sich nicht mehr nach ihrem Willen, ihrem Kopf richten. Selbständig werden oder einfach die Lust am Bewegen verlieren. Sie war immer der Optimist der Familie gewesen, doch heute denkt sie nur an das Vergeuden von Zeit. Angestrengt und verzweifelt, aber leise. Alles ganz leise, so als hätte man vergessen, wo der Lautstärkeknopf war.

Es liegt am Wetter. Es liegt immer am Wetter. Eigentlich liegt es doch daran, dass heute nur ein Kunde Halt gemacht hatte.

Langsam, so als wäre sie versteinert gewesen, dreht sich ihr Kopf Richtung Türrahmen. Zwanzig nach Acht. Freitag. Oktober 23, 2015. Der beste Zeitpunkt, um mit Freunden mit der Bahn in Richtung Club zu fahren. Dachte sie. Jedenfalls tun das die Leute in den Filmen, die sie mit George und Michael manchmal schaut. Dann suchen sie immer nach abgelaufenem Popcorn aus dem Laden. Vor allem jetzt in der kälter werdenden Zeit liebt sie es, eingekuschelt in die Pullover ihrer Brüder auf dem alten Sofa zu lümmeln und sich von ihren Eigenarten berieseln zu lassen. Wie sie manchmal anfangen, vom Auswandern zu erzählen, wie sie es in RealityShows gesehen hatten. Sie erzählen ihr, wie sie zusammen ihren eigenen Elektrofachladen aufmachen wollen. Daraufhin hatte sie gelacht, aber nicht aus Verspottung. Eines Tages will sie ihren Pflastersteinweg zu Ende bauen, zurücksehen und zufrieden sein.  

Tapp..tapp..tapp.Immer noch hier.

Brich die Regeln der Gewohnheit

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Der Himmel. Einschnitte und das Licht scheint hindurch – rot und strahlend und der Himmel schreit stumm bis die Nacht die Schnitte bedeckt. dsc_0506

Mit allen Sinnen versuche ich, dabei zu sein. Alles und jeden einzufangen, Dinge und Momente einfrieren. Die Kehle, wie zugeschnürt von der Überwältigung und dem Reiz alles einfangen zu wollen, nichts zu verpassen. Mir darf ja nichts entgehen! Und wenn dann ist das, das Ende.

Warst du schon mal in Hamburg? Ich schon und gestern erst wieder 🙂

Mal davon abgesehen, dass Trump offiziell Präsident ist, gibt es jede Menge schöner Sachen auf der Welt und das ,,König der Löwen“ Musical ist eins davon.  Am Anfang habe ich gesagt bekommen, wie wundervoll das Musical doch ist, vorstellen konnte ich mir aber nichts dabei. Jetzt weiß ich, was sie alle meinen. Jetzt weiß ich was die Zeitung und Leute schreiben und sagen.

Die Kostüme und die Choreographie waren so wunderbar abgestimmt. Die Fähigkeiten wurden komplett ausgeschöpft. Eine Atmosphäre der Wildnis und der Liebe wurden aufgebaut, was das Ganze schön abrundete.

Das Lächeln so aufrichtig, den Moment festzuhalten und zu genießen ist das wichtigste- Im Moment. Die Atmosphäre und den Geschmack einfangen, mit den Sinnen. Die Augen schließen und das Leben genießen und : Hakuna Matata. Wenn das Klatschen verklingt, leben die Erinnerungen.

dsc_0577Ja, eigentlich war es einfach klasse, wenn man nicht in kunstvoller Sprache sprechen würde. Aber ich tu’s und korrigiere nicht noch mal das, was ich schreibe. Gesagt ist gesagt und getan ist getan – immerhin muss das, was ich denke, das wichtigste beim Schreiben sein.

Notizen während der Fahrt:

So fein, wie menschliche Bronchien. Konturen kämpfen, im Nebel gesehen zu werden. Zwischen grauem Himmel und weißem Boden: die dunklen zierhaften Gestalten. Die Bewegungen auf dem Felde.  Die Farben der Bäume immer milder und weit entfernt gewinnt der Nebel. Felder und Bäume. Weiß und Vandyckbraun. Und am Himmel die Vögel – fliegen majestätisch, gleiten durch die Lüfte und erhaschen einen Blick auf diese Landschaft. Doch dazwischen graue breite Straßen und Strommäste, weit und breit. Doch die Natur, die Natur kämpft um ihre Schönheit.

Nach Erlebnissen und Glücksgefühlen suchten wir das ganze Leben und dazwischen bleiben die Gewohnheiten. Und nach Erlebnissen und Abenteuern ist es so furchtbar schwer den Gewohnheiten nach. Ja es ist herzzerreißend und man sträubt sich dagegen.Brich die Regeln der Gewohnheit, denn wir brauchen sie nicht.

Die lange Kurzgeschichte – ,,Cigarettes“

Berlin, Stories

 

Cigarettes

,,Bist du sicher?”

,,Ja, jetzt gib schon her.”

..So schlimm?”

Ich gebe keine Antwort.

Sie gibt mir die Packung. Ich nehme sie wortlos und verschwinde aus der großen Rauchschwade, die ihren Ursprung aus den Zigaretten der 12. Klässler hat.

Stehen bleibe ich erst, als keine Stimmen mehr zu hören sind.  Wie trostlos die Gegend auch sein mag,  es gibt  wenigstens einen Park und sogar einen heruntergekommenen Spielplatz inmitten des heruntergekommenen Parks inmitten einer heruntergekommenen Stadt inmitten eines  sich-gegenseitig-mit-dem-Finger-zeigenden Landes inmitten eines Kontinents, so wunderschöner, aber natürlich auch trauriger, Ereignisse.

Hinter den Bänken des Parks versteckt sich allerlei Müll und Dinge, die nicht in einen Park gehören, aber das interessiert ja auch niemanden. Ich wende meinen Blick von den, um einen Teich stehenden,  Bänken.

Ich visiere den Spielplatz an. Vielleicht kann ich mir von der kindhaften Atmosphäre etwas erhoffen.

Meine Schuhe sinken kaum im Sand ein. Er ist schon halb versteinert von der Kälte.

Kleine Pflanzen, Blumen im Sand erzählen mir, dass Kinder hier nicht spielen. Das Unkraut sagt, dass hier schon lange nicht mehr aufgeräumt wurde.

Ich schaue einmal im Kreis umher. ,,Das sehe ich,”sage ich dem Unkraut. Die Blumen sagen nichts mehr. Sie sind ja auch nicht besonders schön.

Ich setze mich auf eine der Schaukeln. Zuerst schaukle ich lustlos, fange dann aber an, immer mehr Spaß dabei zu haben. Ich höre, wie sie quietscht, als ich zu fliegen beginne.

Die hohen Bäume springen und die Straße ist mal da, mal nicht. Ich lache in mich hinein, doch brauche ich mich eigentlich vor nichts und niemanden zu fürchten, denn ich bin ganz allein! Keiner könnte mich hören!

Ich bin ganz allein. Keiner hört mich.

Die Schaukel pendelt aus bis ich komplett stehen bleibe. Ich halte inne. Klar, ich habe ja zwei drei Menschen, dich mich leiden können und wenn ich nach Hause komme..

,,Manchmal muss man nicht weiterdenken”, sage ich der anderen Schaukel neben mir.

Der Park ist so leer, ich könnte tanzen und keiner würde es bemerken, aber ich tanze nicht. Meine Gestalt, so zusammengekrümmt von all der Last auf meinen Schultern.

Letztendlich lasse ich mich mit einem Seufzer auf eine der alten Holzbänke nieder.

Die Packung Zigaretten aus meiner Jacke. Ich betrachte sie. Fünf Stück liegen noch drin. Ich nehme mir eine heraus und rolle sie zwischen meinen kalten Fingern hin und her.

Wie ein Geistesblitz, kommt mir in den Kopf, dass ich ja gar kein Feuerzeug habe. Genervt fluche ich den Boden an.

Ein Schatten auf dem Boden verrät mir, dass jemand näher kommt.

Langsam schaue ich hoch. Ein Paar alte Arbeitsschuhe, eine dreckige Jeanshose, eine dünne Parka und ein bärtiges Gesicht mit roter Nase blickt mich an.

Der Bart des Mannes ist so lang, ich könnte nicht ausrechnen, wie viele Dreitagebärte das hintereinander wären. Ich erwische mich dabei, wie ich mich sofort von ihm abgewandt habe. In eine Schockstarre versetzt, aber bereit, los zu laufen.   

,,Feuer?”, lächelt er mich an und streckt mir sein Feuerzeug entgegen. Viele seiner Zähne sind schwarz. Ich kenne mich nicht gut genug in Bio aus, um die Ursachen zu ergründen.

Ich strecke meine Zigarette wortlos gegen die Flamme.

,,Kann ich mich setzen, junge Dame?”

,,Gehen Sie.”

,,Vielen Dank”, sagt er immer noch lächelnd und setzt sich.

Eine Weile sitzen wir so da. Die Falten an seinen Augenwinkel deuten darauf hin, dass er früher gern und oft gelacht hat, aber das muss schon Jahre her sein. Ist er glücklich?

Ich nehme einen Zug und fange an, zu husten.

,,Ihre Erste?”, fragt er neugierig.

,,Nicht ihre Angelegenheit.”

Er dreht sich wieder mit dem Kopf von mir weg und starrt den Teich an, der kaum noch wegen des Schilfs zu sehen ist. Das weiß ich, weil ich ihn aus dem Augenwinkel beobachte.

Ich nehme noch einen Zug diesmal kommt das Husten aus dem Innern. Mein Mund fühlt sich an, als hätte ich Asche gegessen.

,,Wieso rauchen Sie?”

,,Geht Sie nichts an.”

,,Sie können es mir ruhig sagen. Ich höre Ihnen gern zu.”

Ich sage nichts.

,,Seien Sie nicht so stur und eigensinnig.”

,,Ich bin nicht stur und eigensinnig. Ich will Ihnen einfach nichts erzählen.”

,,Wieso?”

,,Wieso?”, frage ich ungläubig.

,,Also wenn hier jemand schwerhörig wird, dann wäre ich der erste von uns beiden.”

,,Warum sind Sie hier?”

,,Weil das Leben will, dass ich hier bin.”, antwortet er.

,,Welches?”

,,Na meins natürlich, doch nicht ihr mickriges Leben.”

Ich springe von der Bank auf.

,,Hey, mein Leben ist genauso wichtig wie ihr’s!”

,,Ja ja, setzen Sie sich wieder hin”, sagt er ruhig. ,,Sehen Sie wir haben doch schon einen Fortschritt.”

,,Der wäre?”

,,Würden Sie mir helfen, wenn ich jetzt einen Herzstillstand erleiden würde?”

,,Natürlich.”, sage ich, wie aus der Pistole, jedoch nicht sicher wie ich helfen könnte.

,,Und warum?”

,,Was soll denn diese Frage? Ich würde Ihnen helfen, weil das menschlich ist.”

,,Oh Liebes, dieses Adjektiv ist gefährlich, aber darauf kommen wir gern später zurück. Mein Leben ist von genauso großer Bedeutung, wie Ihres. Das wäre die richtige Antwort gewesen, aber sie werden sicher noch besser. “

,,Vielleicht will ich ja gar nicht besser werden.”

,,Oh doch das wollen Sie.”

,,Woher wollen Sie das so genau wissen?”

,,Ich sehe es in ihren Augen.,”sagt er und lächelt mich wieder mit seinen furchteinflößenden Zähnen an, aber jeder Mensch entfaltet seine Schönheit, wenn er lächelt und das trifft auf jeden Fall auf ihn zu. Ein so aufrichtiges und warmes Lächeln wurde mir schon lange nicht mehr geschenkt.

Eine Weile sagen wir nichts, konzentrieren uns nur auf uns selbst.

,,Hören Sie, Sie scheinen ja ganz nett zu sein, aber ich versteh’ nicht, was sie von mir wollen?”, sage ich schließlich.

,,Ich will Ihnen helfen.”

,,Ja, aber sehen Sie denn nicht, dass Sie selbst Hilfe brauchen!”

Er verstummt, schaut nach vorn und scheint geistlich gar nicht mehr hier zu sein, so als würde er jetzt sein ganzes Leben vorbeiziehen sehen. Ich habe den wunden Punkt getroffen und fühle mich sofort schlecht dabei.

,,Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht verletzen. Ich weiß, doch eigentlich nur allzu gut, wie sich das anfühlt.”

Er starrt noch immer mit leeren Augen auf den Teich.

Diesmal tippe ich ihn an der Schulter an. Er schließt die Augen und ich atme aus.


Nach und nach werden weitere Teile der Geschichte entstehen. Vielen Dank fürs Lesen.

Wie Du Kunst sehen lernst

Kunst Überall, Learn

Hallo Du,

viele Menschen versuchen, einem klar zu machen, was gut ist und was schlecht, aber man sollte immer eine eigene Meinung haben. Das habe ich bereits gelernt.

Sie wollen Dich schlanker, hübscher, intelligenter, ausgewogener und ausbalancierter machen und das ist ja gar nicht falsch.  Manchmal brauchen wir etwas zur Abwechslung, oder nicht? Wenn man immer den selben Weg geht, ist das für Dich nicht gut und auch nicht für dein Leben.

Ich weiß, was mich glücklich macht, weißt du das auch?  In unserer neuen unglaublich smarten Welt ist kaum noch Platz für Kunst und Ausleben- egal was. Wir stürzen uns blind in die nächste Herausforderung, oder fordern uns erst gar nicht heraus.

Klar, liegt es an uns, aber nicht nur! Wir entwickeln uns mit der Welt und der Gesellschaft- ja denn wir sind ein Teil der Gesellschaft und wenn irgendjemand an etwas zieht und viele begeistert, dann wird er bald nicht allein sein.

Ich schweife ab, denn das sind ganz andere Dinge- auf die ich mit Dir sicher auch noch zu sprechen komme.

Ich glaube, für viele ist es schwer in unserem eintönigen Alltag voll grau und Frustration noch Funken von Fantasie, Glück und Kunst zu sehen. Ist das bei dir so? Manchmal kommt mir das so vor.

Wenn die Menschen in der Bahn sitzen und aus dem Fenster schauen, dort aber nichts finden können. Kein Glück, kein Gefühl, rein gar nichts.

Ich möchte Dir zeigen, was Kunst alles sein- und das heißt nicht, dass eine rotes Plakat Kunst IST. Ich denke, Kunst ist das Gefühl, dass in uns ausgelöst.

Auslöser für dieses Gefühl zu finden, ist eigentlich gar nicht so schwer.

Du kennst doch sicher den kleinen Prinzen, oder?

Wenn du einen knallgelben Luftballon siehst, dann ist er für dich nicht einfach ein gelber Luftballon. Er enthüllt Dir eine Geschichte voller Liebe und Freundschaft oder vielleicht eine von Hass und Verrat, aber er ist für dich anders als für andere Menschen.                        Er ist wie Kunst für dich.  Du verlierst dich in der Erinnerung. Er wird für dich nie etwas anderes sein und wenn jemand kommt und sagt: ,, Ist doch nur ein gelber Ballon.“ kannst du getrost sagen:,, Nein. Viel mehr als das“

Eine rote Leinwand wird dann zu Kunst, aber vielleicht nicht für dich, vielleicht für mich.