Als mein Zimmer jüdisch wurde

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Self-made Literatur to go

Sie legt die Kaugummipackung zurück in die Schublade. Auch wenn sie noch genug Platz hat, aber die würde sie wahrscheinlich sowieso nicht brauchen. Was dann? Sie blickt  in ihren bunten Stoffbeutel- Zahnbürste, Holzkamm, ihre Stoffpuppe Ida und ein kleines Büchlein mit Stift, in dem sie manchmal notiert, was sie sieht oder denkt.

Ohne zu klopfen wird die Tür aufgerissen und ihre Mutter steht mit  Fatha im Arm. Sie versucht, das sich wehrende Baby mit noch mehr Kleidern zu bedecken, als sie ohnehin schon an hat.

,,Bist du fertig?”

,,Nein, ich brauche nur noch ein paar Minuten”

,,Na gut, aber dann komm und hilf mir.” Sie klingt gehetzt und so geht sie auch wieder davon. Hin und her schweben ihre Finger über den Regale. Ob sie noch ein Buch mitnehmen sollte? Papa hatte ihr gesagt sie solle sich mehrere Paar Schuhe mitnehmen, Feste versteht sich, also werden sie viel laufen. Da wird sie sicher keine Zeit haben zum Lesen. Was sie wirklich brauchen wird, merkt sie erst, wenn sie es nicht hat, so ist es immer. Ist es dann aussichtslos, überhaupt nach brauchbaren Sachen zu suchen?  Sie dreht sich um und lässt ihr ganzes Zimmer auf sich wirken. Es ist so ruhig und friedlich- aufgeräumt und unberührt.

Sie hört ein stilles Lebewohl von ihrer Seite. Daraufhin: die Antwort all ihrer Habseligkeiten mitsamt der Wände. Elisha hatte ihre Eltern eines Abends belauscht.  In der Küche hatte sie ihre Stimmen gehört zusammen mit Stimmen, die sie nicht zuordnen konnte. Die Wortfetzen handelten von Geld und Transportmitteln, das reichte ihr, um zu verstehen. Was für eine Angst sie hatte, das Pochen ihres Herzens würde sie verraten.

Sie ist nicht dumm. Ganz im Gegenteil gehört Elisha zu den besten Schülern ihrer Klasse, als sie noch zur Schule ging.. Seit ein paar Wochen war sie nun schon zu Hause und eigentlich hatte sie gedacht, sie würden alle wieder mit dem Unterricht fortfahren. Jetzt erinnert sie sich nur noch daran, wann sie Amalia das letzte Mal  gesehen hat. Es scheint wie ein anderes Leben.

Sie hat nicht erwartet, ihr Heim verlassen zu müssen auch wenn sie schon früher bemerkt hat, dass viele Kinder nicht mehr zur Schule gekommen sind. ,,Umgezogen”, bekam sie zu verstehen, aber sie verstand nicht. Warum wollten so viele Familien umziehen? Es ist doch so schön hier: Die Sonne und die sandigen Häusern umrankt von bunten Sträuchern und Palmen. Die süßen Datteln, genoss sie auch- mitgebracht von Mama und Papa. Einige  Menschen auf der Straße wirken zwar bedrückt und verbittert, aber das war doch kein Grund wegzuziehen.

,,Kommst du nun endlich?!” Sie erschrickt und hastet  aus ihrem Zimmer. Ihr Vater packt eilig noch immer die Essensvorräte in Rucksäcke. Die Küche ist so sauber und leer, genauso wie das Haus- als habe nie jemand darin gewohnt.

Ganz leise fühlt sie das Prickeln, die Aufregung vor dem Aufbruch.  Zum einen kann sie es kaum erwarten, andererseits hat sie Angst. Furchtbare Angst vor dem Sturm der fremden Welt. Egal, wohin sie gehen würden, es könnte nicht besser sein, als die Sonne umrahmt von ihrem Fenster mit den gemusterten Gardinen.

Immer zu dreht sie den Kopf nach hinten, und sieht, wie ihr Zimmerfenster  kleiner wird und das Haus mit der Straße und den anderen Häusern verschmilzt. Sie fürchtet sich, zu fragen, wo sie jetzt hingehen würden. Niemand sagt ein Wort während sie laufen. Der Steinboden ist langweilig also schmult sie immer mal auf die andere Straßenseite. Familien und Jugendliche hasten in der sommerlichen Hitze. Ein Mann telefoniert neben einem Hauseingang und fängt plötzlich ihren Blick.

Bis zu dem Zeitpunkt hat sie sich nie gefragt, warum sie ihr Heim verlassen müssen, denn sie sah auch Menschen in Häuser einziehen. Vollbeladene Autos und LKWs  vor den Hauseingängen der Nachbarstraßen. Die Kinder hatten andere Puppen und Spielsachen, die sie nicht kannte und die Mütter trugen kein Kopftuch. Irgendwann würde sie sich sicher eine Antwort geben können.

Sie sieht die Last in den Augen ihrer Eltern, aber vielleicht ist es auch nur ihr eigene Last, die sie auf dem Rücken spürt.

Ihr Leben wird nicht mehr so sein, wie es einmal war, aber vielleicht war das auch ganz gut so.

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Welchen Fragen wollen wir uns Stellen?

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Licht wird eingeblendet. Geflüster verstummt im Publikum. Eine Person schaut zu Boden, weiter hinten im Dunkeln sitzt eine zweite Person auf einer Bank.

-Was braucht es, um geliebt zu werden? Warum sind wir die Opfer unserer selbst? Wieso zerstören Niederlagen uns wenn doch auch Misserfolge Fortschritt sind?

-Nein

-Können wir noch selbstlos sein, wenn wir durch unseren Altruismus von allen Seiten ausgesaugt wurden? Werden wir gezwungen uns so zu verhalten wie die Gesellschaft es sich für uns vorstellt? Wie funktionieren Ampeln?

-Nein

Wieso macht Erfolg abhängig? Warum lesen wir nicht Sartre wenn wir es wollen? Wann bin ich interessant genug?

-ja

– Werden wir unseren Vorstellungen von uns selbst jemals gerecht? Wann hören wir auf uns zu verändern? Wie spät ist es? Was macht unsere Außenwelt mit uns? Wann sind zufrieden mit uns selbst?

– Nein?

–  Wer sind wir? Wie nehmen wir uns selbst wahr?

– Ja.

– Brauchen wir die Anerkennung anderer um glücklich zu sein? Wann sind wir wichtig?  Sind wir der Mensch von dem wir denken der wir sind? Wieso können wir Menschen nicht essen?

– Zeit ist alles, was du hast.

–  Kommen Meinungen von selbst? Warum sehen wir nie die wichtigen Dinge im Leben? Werden wir je vergessen wie unsere Umwelt aussieht? Wann haben wir genug von uns selbst? Wie lange muss ich die Augen schließen um zu vergessen?

Was unterscheidet uns voneinander?

Wie bin ich so geworden, wie ich bin?Wo finden wir uns selbst? Warum sind wir wichtig? Woher wissen wir wer wir sind? Wann sind wir zufrieden? Wie viele Gefühle müssen wir zulassen um Liebe zu empfinden? Wann bin ich interessant genug? Bin ich es wert am Leben zu sein? Ist die Welt bereit für mich und bin ich überhaupt bereit für die Welt? Wie viele Variationen gibt es eine Wassermelone zu schneiden?

Ja? Wieso können wir nicht alle Philosophen sein? Warum brauchen wir so viel wie wir glauben zu brauchen?

Ja.

Ist Versprechen ein Fehler? Wieso versprechen wir, einander zu lieben? Wie wären wir wenn wir keine Grenzen hätten so zu sein wie wir sind? Was passiert wenn wir unsere Ziele erreicht haben?

Nein

Kristina Vasilevskaja

Philosophie in der Autobahntankstelle

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Eine Geschichte über Stille, Zeit und das Fragen nach dem Sinn der Existenz

Tapp. Tapp…tapp. Finger. Einer nach dem anderen berührt den Tresen im Takt. Tapp..tapp…tapp. Tropfen.Einer nach dem anderen berührt leise den Waschbeckenboden. Und sonst nichts. Nur Stille, die so unendlich weit zu sein scheint. Da ist noch etwas- leise, wegen der Gewohnheit schon fast überhörbar: das Ticken der 1-Dollar-Uhr über dem Türrahmen.

Es wird nicht gelangweilt Kaugummi gekaut, keine Fingernägel gefeilt, wie sie es aus den Filmen kennt von den Leuten, die sich langweilen.

Zeit vergeht und sie ist hier, freiwillig und dennoch nicht frei. Sie ist nicht gefangen, kann aber trotzdem nicht fliehen.

Sie denkt, dass es vielleicht ein Fehler war, hier zu sein, aber gleichzeitig ist alles so, wie es kommen musste, jeder Streit und jede Fahrt ins Dunkle. Das sagt sie sich jedenfalls jedes Mal, wenn sie unzufrieden ist mit ihrer Situation und wenn etwas gut läuft, dann war sie es  ganz allein- nicht das Universum.

Sie ist nicht sicher, was genau, sie hierher verschlagen hat. Müssen manche Menschen minderwertige Dinge übernehmen? Wie ein einsamer Eisverkäufer am Nordpol, so fühlt sie sich jedenfalls. Was ist die Antwort auf die Existenz jedes einzelnen Menschen? Was ist das Warum?  Sie glaubt fest daran, dass jeder geborene Mensch eine Aufgabe bekommt, von wem, weiß sie nicht genau- sie ist nicht gläubig, aber auch nicht Atheistin.

Wir kommen dem Lösen unseres eigenen Problems im Laufe des Lebens sicher immer näher durch unser Gefühl, aber genauso gut, ist es möglich, vom Weg abzukommen. Ist sie bereits von ihrem Weg abgekommen? Sie sieht sich jedenfalls nicht, weiter Pflastersteine legen. Im Moment ganz bestimmt nicht.

Tapp..tapp…tapp. Sie könnte versuchen, den Wasserhahn zu reparieren, ja das könnte sie wohl, wenn sie nicht so damit beschäftigt wäre, über den Sinn des Lebens nachzudenken und einen Nutzen hatte das auch nicht wirklich, denn zu einem Ergebnis wird sie nicht kommen.

Tun die Anderen denn nützliche Dinge? Und was ist denn überhaupt nützlich? Ihre Brüder jedenfalls nicht- in keiner Weise. Ihre ständig arbeitende Mutter vielleicht für die Familie als Stütze und Person und ihr Vater? Ihr Vater, der mehr Zeit unter Autobäuchen verbrachte als im Bett schlafend.

Tapp..tapp..tapp und dann ein kurzes augenblickliches Aufleuchten von draußen. Sie hebt den Kopf, die Nasenspitze zur Tür gerichtet und die Finger still auf dem Tresen liegen. Sie schaut und wartet bis sie eine Autotür zuklappen hört und jemand kommt, vielleicht ein paar Worte sagt, ihr einen schönen Tag wünscht, doch sie hört nur das leise Quietschen aus der Werkstatt nebenan.  Die Tür öffnet sich nicht und die etlichen Tüten Chips in den Regalen verstauben noch mehr und das Verfallsdatum der Beef Jerkeys rückt immer näher und das Benzin scheint, noch viel stärker zu stinken. Ihre Jeanslatzhose damit zu parfümieren, so scheint es.

Tapp..tapp..tapp..Sie sieht hinab auf ihre Finger, wie sie leise auf dem Holz dumpfe Töne abgeben..tapp..tapp..tapp. Sie fragt sich, wann es aufhört, wann die Finger aufhören, sich zu bewegen, sich nicht mehr nach ihrem Willen, ihrem Kopf richten. Selbständig werden oder einfach die Lust am Bewegen verlieren. Sie war immer der Optimist der Familie gewesen, doch heute denkt sie nur an das Vergeuden von Zeit. Angestrengt und verzweifelt, aber leise. Alles ganz leise, so als hätte man vergessen, wo der Lautstärkeknopf war.

Es liegt am Wetter. Es liegt immer am Wetter. Eigentlich liegt es doch daran, dass heute nur ein Kunde Halt gemacht hatte.

Langsam, so als wäre sie versteinert gewesen, dreht sich ihr Kopf Richtung Türrahmen. Zwanzig nach Acht. Freitag. Oktober 23, 2015. Der beste Zeitpunkt, um mit Freunden mit der Bahn in Richtung Club zu fahren. Dachte sie. Jedenfalls tun das die Leute in den Filmen, die sie mit George und Michael manchmal schaut. Dann suchen sie immer nach abgelaufenem Popcorn aus dem Laden. Vor allem jetzt in der kälter werdenden Zeit liebt sie es, eingekuschelt in die Pullover ihrer Brüder auf dem alten Sofa zu lümmeln und sich von ihren Eigenarten berieseln zu lassen. Wie sie manchmal anfangen, vom Auswandern zu erzählen, wie sie es in RealityShows gesehen hatten. Sie erzählen ihr, wie sie zusammen ihren eigenen Elektrofachladen aufmachen wollen. Daraufhin hatte sie gelacht, aber nicht aus Verspottung. Eines Tages will sie ihren Pflastersteinweg zu Ende bauen, zurücksehen und zufrieden sein.  

Tapp..tapp..tapp.Immer noch hier.

Fortsetzung von ,,Cigarettes“ III

Stories

Nun geht es bereits zum dritten Teil der langen Kurzgeschichte über, eher gesagt ist es einfach eine weitere Seite der Geschichte, aber dritter Teil klingt eindrucksvoller.

Hier geht es zum ersten Teil: Die lange Kurzgeschichte – ,,Cigarettes“

Hier zum zweiten Teil: Fortsetzung Cigarettes

Viel Spaß beim Lesen wünsche ich. Es ist noch nicht vorbei!


,,Wie kommt es, dass ich mich so schlecht fühle und eigentlich alles habe und Sie.. sie dennoch, trotz allem einen netten Eindruck machen?”

,,,Einen netten Eindruck’ hah na so ein Kompliment habe ich noch nie bekommen.”

,,Nein, wirklich, wie kann das sein?”

,,Ich gebe die Hoffnung wohl nicht auf. Das ist wahrscheinlich alles. “

,,Na, das war aber schwach.”

,,Oh sollte ich philosophische Dinge aus mir heraus spucken, die Sie sowieso nicht verstehen würden?”

,,Wie kommen Sie denn darauf, dass ich nichts verstehen würde? Sie behandeln mich ja, wie ein kleines Kind!”

,,Oh, ich denke wir wollen jetzt nicht darauf eingehen, wer hier wen, wie behandelt, nicht?”, sagte er mir mit hochgezogenen Brauen und prüfenden Augen.

,,Sie sagten, Sie wollen mir helfen, aber wie wollen Sie das denn nun anstellen?”

,,Ich habe keinen konkreten Plan. Ich bin auch kein Coach oder Lebensberater. Ich denke einfach über Dinge nach. Ich habe ja auch die Zeit dazu.”

,,Aber wie  kann man sein Leben jeden Tag weiterleben, wenn man niemanden hat, wenn es niemanden gibt mit dem man sich austauscht und man keinerlei Bedeutung für die Gesellschaft und diese Welt hat. Dann würde es doch auch niemanden stören oder gar interessieren, wenn man nicht mehr da ist.”

,,Was ist mit einem selbst? Es gibt immer jemanden, der an dich denkt und dich bemerkt. Dieser Jemand ist man selbst.”

,,Ach man selbst zählt nicht..”

,,Doch, natürlich, denn wenn jeder das sagen würde, würde keiner an jemanden denken. “

Ich überlegte eine Weile über seine Worte und es leuchtete mir ein.

,,Was ist eigentlich mit Ihnen?”, frage ich interessiert.

,,Was soll mit mir sein?”

,,Na, was ist mit Ihnen passiert? Hat Ihre Familie Sie im Stich gelassen oder wurden Sie von irgendwo herausgeschmissen?”

Gespannt schaue ich in seine Richtung, doch er verzieht keine Miene. Ich warte auf seine Antwort, doch bekomme ich nur Stillschweigen. Dann erhebt er sich, zieht noch einmal an seiner Zigarette, schaut auf den schilf überwucherten Teich und geht.

Ich kann nichts sagen, nichts rufen, nichts denken, bin so überrascht von seinem Abgang.


 

Fortsetzung Cigarettes

Stories

Hier die bisherige Geschichte, also der Anfang oder wie man es nennen mag: Die lange Kurzgeschichte – ,,Cigarettes”

Nächster Teil: (etwas kurz, aber ich arbeite daran 😉 )

,,Ich bin nun älter als Sie, also habe ich auch mehr Erfahrungen, was das Leben betrifft und wenn sie nun von meiner Schäbigkeit ausgehen, so kann ich es Ihnen nicht verübeln mir nicht zu vertrauen.

Soll ich  Ihnen zeigen wie viele Follower ich auf Instagram habe, damit Sie mir mehr Glaubwürdigkeit schenken?”

,,Ich denke diese Frage möchten Sie nicht beantwortet haben.”, antworte ich etwas kleinlaut.

,,Na, da haben Sie wenigstens etwas verstanden.”

Er schaut von mir weg und ich schaue nach links. Ich weiß noch immer nicht, was ich von ihm halten soll. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sein Leben erfolgreich bewältigt hat, dass er mir helfen kann. Ich denke niemand kann mir helfen, außer mir selbst und es ist viel schwieriger sich selbst zu helfen.

,, Es tut mir leid, das habe ich doch schon gesagt.” Ich klinge etwas genervt, doch das bin ich eigentlich nicht. Ich ziehe wieder an meiner Zigarette, die ich zwischen meinen versteinerten Fingern gehalten hatte.

,,Haben Sie noch eine?” Mir musste nicht gezeigt werden, was er meint, also hole ich die Packung wieder heraus, schiebe den Deckel zurück und er zieht sich eine heraus.

,,Danke”, sagt er und schiebt seine Knie mehr in meine Richtung. So sitzen wir beide rauchend in den eigenen Gedanken versunken auf der Bank, wollen uns gegenseitig damit helfen, stille aufmunternde Botschaften ins Leere zu schicken.  

,,Wie denken Sie, mir helfen zu können?”

,,Ich finde Sie hegen viel zu viele Vorurteile über mich und treffen voreilige Schlussfolgerungen.”

,,Das ist eine interessante Erkenntnis.”, antwortete ich.

,,Ist sie nicht. Es ist offensichtlich. Sie wissen nur nicht, was sie sagen sollen, wie so oft. “

Ich gebe ihm eine letzte Chance bevor ich gehe.

,,Was machen Sie sonst so, wenn sie mal nicht rauchend auf einer Bank Lebenstipps geben?” Ich hätte meine Dreistigkeit nicht noch mehr zur Geltung bringen können.

Er schaut in die Ferne, sie sogar etwas belustigt aus.

,,Ich suche Pfandflaschen und Zigarettenstummel.”

Diese Antwort war vorhersehbar und dennoch bin ich etwas sprachlos.

,,Ich gehe zur Schule.”

,,Ja, das sehe ich.” Mit seine Augen zeigt er auf meinen neben mir stehenden Rucksack.

,,Ich habe noch einen Apfel..wollen Sie?”  

Ohne etwas zu sagen, fleht er mich stumm an. Er verzieht nicht einmal eine Miene, vielleicht war es dann bloß Einbildung.

Ich schenke ihm meinen Apfel und er nimmt ihn dankbar entgegen.

,,Wie kommt es, dass ich mich so schlecht fühle und eigentlich alles habe und Sie.. sie dennoch, trotz allem einen netten Eindruck machen?”

Vielen dank fürs Lesen und auf Bald 🙂

Alles Liebe, Kristina

Von Literatur, Kunst und halbgeheimen Projekten

Allgemein, Kunst Überall, Learn, Stories

Lieber Leser,

ich bin nun wirklich ein Neuling, was das Bloggen betrifft und so richtig hineinfuchsen, wie man das gern sagt, kann ich nicht. Meine Seite hat den Namen berlinerkunstfuerdich aber gibt es überhaupt noch Menschen, die sich für Kunst interessieren? In der Schule wird auch hinterfragt, wozu das Fach Kunst überhaupt da ist.

Literatur

Bücher sind wundervoll. Ja, jeder liest sie, wer sich bilden und entspannen will. Es gibt deshalb auch etliche Buchblogger und sogar Buchmagazine, wie zum Beispiel das Flow-Magazin.

Macht es deshalb Sinn, auch noch über Büchern und das Schreiben selbst zu schreiben? Natürlich wissen wir- es gibt so viele Meinungen wie Menschen, aber viel Sinn macht das ja nicht.

Projekt

Ich habe eine Art Projekt gestartet mit Anfang dieses Jahres. Da dieser Blog kaum gelesen wird, kann ich ohne Scheu alle meine Vorhaben und Pläne erzählen.

In meiner Schule hat man die Möglichkeit, wenn man dran bleibt, eine Arbeitsgemeinschaft zu eröffnen. Ich möchte eine Kunst AG eröffnen. (Wer hätte es gedacht)  So nun bin ich selbst schon sehr gespannt auf die ersten Stunden und Menschen, die mich erwarten.

Im Wesentlichen geht es aber nicht nur um Kunst sondern auch um Philosophie(immer geht es um Philosophie) Ja! Natürlich. Es gibt keine Auszeit in der Philosophie, keine Verschnaufpausen in der wir sie mal zur Seite legen. Den Verstand und das menschliche Handeln zur Seite legen.  Die Philosophie wird in allen verschiedenen Arten auf die Kunst angewandt. Was denkt der Künstler sich dabei, ist ja eine der berüchtigsten Fragen in der Kunst; und einer der wichtigsten. Wie das jeweilige Werk in unsere Gesellschaft passt oder nicht, wie es sie vielleicht sogar indirekt angreift. Durch Kunst findest du zu sich selbst und so auch durch Philosophie.

Der Name eines philosophischen Kinderbuches, das ich gesehen hatte, heißt: Philosophie- oder wenn es im Kopf kitzelt, was wirklich gut getroffen ist.

Es geht ums hinterfragen und in der Kunst ist es nicht anders.

Ich frage mich schon, was meine Teilnehmer darüber denken werden und was überhaupt ihre Ansichten sind. Es ist immer wunderbar andere Meinungen und Perspektiven zu sehen, da wir in unserem Leben nur selten auf andere Perspektiven achten, ja wir denken manchmal gar nicht daran, wie ein Sachverhalt von der anderen Seite aussieht. Das ist eine der schlechten Angewohnheiten des Menschen.

 

Wer es vielleicht kaum erwarten kann, wann die Fortsetzung von cigarettes kommt, so kann ich nur sagen: Bald beziehungsweise irgendwann.

Wem cigarettes nichts sagt, sollte hier reinklicken: ,,Cigarettes”

 

 

Die lange Kurzgeschichte – ,,Cigarettes“

Berlin, Stories

 

Cigarettes

,,Bist du sicher?”

,,Ja, jetzt gib schon her.”

..So schlimm?”

Ich gebe keine Antwort.

Sie gibt mir die Packung. Ich nehme sie wortlos und verschwinde aus der großen Rauchschwade, die ihren Ursprung aus den Zigaretten der 12. Klässler hat.

Stehen bleibe ich erst, als keine Stimmen mehr zu hören sind.  Wie trostlos die Gegend auch sein mag,  es gibt  wenigstens einen Park und sogar einen heruntergekommenen Spielplatz inmitten des heruntergekommenen Parks inmitten einer heruntergekommenen Stadt inmitten eines  sich-gegenseitig-mit-dem-Finger-zeigenden Landes inmitten eines Kontinents, so wunderschöner, aber natürlich auch trauriger, Ereignisse.

Hinter den Bänken des Parks versteckt sich allerlei Müll und Dinge, die nicht in einen Park gehören, aber das interessiert ja auch niemanden. Ich wende meinen Blick von den, um einen Teich stehenden,  Bänken.

Ich visiere den Spielplatz an. Vielleicht kann ich mir von der kindhaften Atmosphäre etwas erhoffen.

Meine Schuhe sinken kaum im Sand ein. Er ist schon halb versteinert von der Kälte.

Kleine Pflanzen, Blumen im Sand erzählen mir, dass Kinder hier nicht spielen. Das Unkraut sagt, dass hier schon lange nicht mehr aufgeräumt wurde.

Ich schaue einmal im Kreis umher. ,,Das sehe ich,”sage ich dem Unkraut. Die Blumen sagen nichts mehr. Sie sind ja auch nicht besonders schön.

Ich setze mich auf eine der Schaukeln. Zuerst schaukle ich lustlos, fange dann aber an, immer mehr Spaß dabei zu haben. Ich höre, wie sie quietscht, als ich zu fliegen beginne.

Die hohen Bäume springen und die Straße ist mal da, mal nicht. Ich lache in mich hinein, doch brauche ich mich eigentlich vor nichts und niemanden zu fürchten, denn ich bin ganz allein! Keiner könnte mich hören!

Ich bin ganz allein. Keiner hört mich.

Die Schaukel pendelt aus bis ich komplett stehen bleibe. Ich halte inne. Klar, ich habe ja zwei drei Menschen, dich mich leiden können und wenn ich nach Hause komme..

,,Manchmal muss man nicht weiterdenken”, sage ich der anderen Schaukel neben mir.

Der Park ist so leer, ich könnte tanzen und keiner würde es bemerken, aber ich tanze nicht. Meine Gestalt, so zusammengekrümmt von all der Last auf meinen Schultern.

Letztendlich lasse ich mich mit einem Seufzer auf eine der alten Holzbänke nieder.

Die Packung Zigaretten aus meiner Jacke. Ich betrachte sie. Fünf Stück liegen noch drin. Ich nehme mir eine heraus und rolle sie zwischen meinen kalten Fingern hin und her.

Wie ein Geistesblitz, kommt mir in den Kopf, dass ich ja gar kein Feuerzeug habe. Genervt fluche ich den Boden an.

Ein Schatten auf dem Boden verrät mir, dass jemand näher kommt.

Langsam schaue ich hoch. Ein Paar alte Arbeitsschuhe, eine dreckige Jeanshose, eine dünne Parka und ein bärtiges Gesicht mit roter Nase blickt mich an.

Der Bart des Mannes ist so lang, ich könnte nicht ausrechnen, wie viele Dreitagebärte das hintereinander wären. Ich erwische mich dabei, wie ich mich sofort von ihm abgewandt habe. In eine Schockstarre versetzt, aber bereit, los zu laufen.   

,,Feuer?”, lächelt er mich an und streckt mir sein Feuerzeug entgegen. Viele seiner Zähne sind schwarz. Ich kenne mich nicht gut genug in Bio aus, um die Ursachen zu ergründen.

Ich strecke meine Zigarette wortlos gegen die Flamme.

,,Kann ich mich setzen, junge Dame?”

,,Gehen Sie.”

,,Vielen Dank”, sagt er immer noch lächelnd und setzt sich.

Eine Weile sitzen wir so da. Die Falten an seinen Augenwinkel deuten darauf hin, dass er früher gern und oft gelacht hat, aber das muss schon Jahre her sein. Ist er glücklich?

Ich nehme einen Zug und fange an, zu husten.

,,Ihre Erste?”, fragt er neugierig.

,,Nicht ihre Angelegenheit.”

Er dreht sich wieder mit dem Kopf von mir weg und starrt den Teich an, der kaum noch wegen des Schilfs zu sehen ist. Das weiß ich, weil ich ihn aus dem Augenwinkel beobachte.

Ich nehme noch einen Zug diesmal kommt das Husten aus dem Innern. Mein Mund fühlt sich an, als hätte ich Asche gegessen.

,,Wieso rauchen Sie?”

,,Geht Sie nichts an.”

,,Sie können es mir ruhig sagen. Ich höre Ihnen gern zu.”

Ich sage nichts.

,,Seien Sie nicht so stur und eigensinnig.”

,,Ich bin nicht stur und eigensinnig. Ich will Ihnen einfach nichts erzählen.”

,,Wieso?”

,,Wieso?”, frage ich ungläubig.

,,Also wenn hier jemand schwerhörig wird, dann wäre ich der erste von uns beiden.”

,,Warum sind Sie hier?”

,,Weil das Leben will, dass ich hier bin.”, antwortet er.

,,Welches?”

,,Na meins natürlich, doch nicht ihr mickriges Leben.”

Ich springe von der Bank auf.

,,Hey, mein Leben ist genauso wichtig wie ihr’s!”

,,Ja ja, setzen Sie sich wieder hin”, sagt er ruhig. ,,Sehen Sie wir haben doch schon einen Fortschritt.”

,,Der wäre?”

,,Würden Sie mir helfen, wenn ich jetzt einen Herzstillstand erleiden würde?”

,,Natürlich.”, sage ich, wie aus der Pistole, jedoch nicht sicher wie ich helfen könnte.

,,Und warum?”

,,Was soll denn diese Frage? Ich würde Ihnen helfen, weil das menschlich ist.”

,,Oh Liebes, dieses Adjektiv ist gefährlich, aber darauf kommen wir gern später zurück. Mein Leben ist von genauso großer Bedeutung, wie Ihres. Das wäre die richtige Antwort gewesen, aber sie werden sicher noch besser. “

,,Vielleicht will ich ja gar nicht besser werden.”

,,Oh doch das wollen Sie.”

,,Woher wollen Sie das so genau wissen?”

,,Ich sehe es in ihren Augen.,”sagt er und lächelt mich wieder mit seinen furchteinflößenden Zähnen an, aber jeder Mensch entfaltet seine Schönheit, wenn er lächelt und das trifft auf jeden Fall auf ihn zu. Ein so aufrichtiges und warmes Lächeln wurde mir schon lange nicht mehr geschenkt.

Eine Weile sagen wir nichts, konzentrieren uns nur auf uns selbst.

,,Hören Sie, Sie scheinen ja ganz nett zu sein, aber ich versteh’ nicht, was sie von mir wollen?”, sage ich schließlich.

,,Ich will Ihnen helfen.”

,,Ja, aber sehen Sie denn nicht, dass Sie selbst Hilfe brauchen!”

Er verstummt, schaut nach vorn und scheint geistlich gar nicht mehr hier zu sein, so als würde er jetzt sein ganzes Leben vorbeiziehen sehen. Ich habe den wunden Punkt getroffen und fühle mich sofort schlecht dabei.

,,Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht verletzen. Ich weiß, doch eigentlich nur allzu gut, wie sich das anfühlt.”

Er starrt noch immer mit leeren Augen auf den Teich.

Diesmal tippe ich ihn an der Schulter an. Er schließt die Augen und ich atme aus.


Nach und nach werden weitere Teile der Geschichte entstehen. Vielen Dank fürs Lesen.