Poesietherapie

Allgemein, Kunst Überall, Learn

Eine intelligente junge Frau, eine Autorin hat mich viele gelehrt. Ja, tatsächlich, ist das möglich als junge Frau, als Studentin intelligent zu sein und dabei, andere mit Wissen zu bereichern, ohne dabei in den Tonfall eines Lehrers zu verfallen. Sie erzählte sehr viel, an diesem Wochenende an dem ich sie zu sehen bekam. Vieles sickerte leider durch mich hindurch, doch ich glaube daran, dass ich ihre Botschaften mitnehmen konnte. Ich hoffe es.

Sie war es auch, die mir das Wort „Poesietherapie“ als Erste in den Kopf pflanzte.

Sich mit Poetik und Lyrik heilen, in dem man in seinen Erinnerungen gräbt, tief in die eigenen Bilder entschwindet und dann etwas schreibt, nur für sich, um sich selbst näher zu kommen.

„Durch das Schreiben verstehe ich erst meine Gedanken“

so oder so ähnlich hat es Elisabeth Gilbert in „Big Magic“ gesagt und tatsächlich entdeckt man vielleicht noch Unbewusstes in seinem Katalog aus Bildern. Es kommt ganz darauf an in welche Lage, du dich versetzt und wohin die Gedanken wandern.

Ein Anfang dafür, wäre zu schreiben: „Ich erinnert mich..“. Das wird immer weiter gesponnen, ganz egal, wohin man am Ende angelangt. Optional gibst du dir vorher ein Thema. Zum Beispiel eine Frage, oder ein Gegenstand.

Frage: Wann hast du dich (das erste Mal) wie ein Mädchen gefühlt?

Wann war ich ein Mädchen?- Poesietherapie

Ich erinnere mich an Kleider in meiner Kindheit. Ich hatte nie genug Kleider, nie genug Kleider und nie genug Kleider für meine Puppen. Ich hatte auch keine Probleme, Rosa zu tragen, aber Blau mochte ich noch mehr, nur sah ich es nie als eine Jungenfarbe. Ich sah mich nie als ein Junge, also musste ich doch ein Mädchen sein. Der Moment in dem ich den Gedanke fasste, ich sei ein Mädchen, war nie gekommen, wie die frühkindliche Erkenntnis man sei man selbst im Spiegel. Es muss geschehen sein, aber fern abseits dessen, was das Erinnerungsspektrum zulässt. Vielleicht mag es auch sehr öde klingen und stereotypisch , dass ich eben mit Puppen gespielt habe und bei Mutter-Vater-Kind entweder Tochter oder Mutter gespielt habe. So war es aber nun mal und Baby Borns haben mich auch angezogen, ganz egal, was die Werbung dazu zeigte. Ich war ein normales Mädchen und sah das Gute dieser Welt. Sollte ich mich dafür entschuldigen?

Ich habe auch mit Jungs gespielt, aber das soll keine Verteidigung sein. Ein lächerlicher Gedanke, denn vor was sollte ich mich verteidigen? Der Normalität?

Bewusst habe ich es sicher nicht wahrgenommen, aber unter Jungs habe ich erst richtig gemerkt, dass ich ein Mädchen bin und mich unterscheide. Beim Laufen, Springen und Hinsetzen draußen war ich stets darauf bedacht, meine Kleidung nicht zu verschmutzen. Ich spielte nicht beim Fußball. Ich durfte nicht, also schaute ich zu. Manchmal lief ich ins Feld oder nahm den Jungs den Ball weg, doch es half nichts.

Ich erinnere mich nicht jemals als Mädchen angesprochen worden zu sein. Ich trug Zöpfe und Kleider, mochte Ketten mit Perlen und Anhängern um meinen Hals, as gab es da noch Anderes zu bezweifeln? Ich war und bin ein Mensch.

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Hommage an Foodstagram – genüssliche Momente festhalten

Allgemein, Berlin, Kunst Überall

Eigentlich ist die Zeit der Foodphotos vorbei, oder? Schon vor Jahren wurde eine eigene App erstellt nur, um dort den Foodies dieser Welt ihre hübsch arrangierten Tischgedecke mit Essen zu fotografieren und zu teilen, denn die wurden häufig schon als genauso nervig wie Selfies eingestuft. Wie unser Verhältnis zum Thema Essen is(s)t und unsere Esskultur sich überhaupt etabliert hat, darüber könnte man Buchbände füllen. Es sind Fragen, die wir uns nicht jeden Tag stellen, wenn überhaupt, aber ganz spannend, da mal etwas näher hinzusehen. 

Das c/o Berlin hat passend dazu nun eine Ausstellung vorbereitet in der Essen auf verschiedenen Ebenen von Fotografen des 20. und 21. Jahrhundert gezeigt wird. 

Jedes Bild ist ein Hingucker, denn mal wird mit dem Essen und den Farben gespielt, dann wieder auf surreale Weise abgebildet. Essen wird politisch und was neben dem Essen passieren kann ebenso wichtig, wie der einfache Akt der Nahrungsaufnahme. Wahrscheinlich Wir Menschen sind definitiv die einzigen Geschöpfe auf der Welt, die so viel mit ihrer Nahrung anstellen, inspizieren, assoziieren und kommerzialisieren.

Ob Schwarz -Weiß oder nach Farben sortierte Bilder-  jedes Foto sagt etwas aus, mehr oder weniger, denn manchmal ist ein ein halb geschälter Apfel auch einfach nur da. 

Wie Essen in anderen Ländern ist, wird ebenfalls angeschnitten und aufgeschlagen werden zahlreiche Kochbücher mit Schriftzeichen und künstlich aussehendem Essen. “Food for the Eyes – The Story of Food in Photography” gibt zwar nicht die Geschichte des Essen wider, ermöglicht aber dennoch einen Einblick in den Umgang mit Essen. Außerdem lassen die Fotografien den Betrachter mal über die damit verbundene Erotik und Kreativität schmunzeln, als auch innehalten zu illustrierten Versorgungsengpässen und politischen Statements. Ein besonders aktuelles Bild zeigt zuerst ein Augenpaar in Schwarz-Weiß, wenn man jedoch näher hinsieht sitzen kleine Köpfe um den Augenausschnitt herum, getrennt von einer ungeraden Linie – die Mauer zwischen Mexiko und den USA. Essen verbindet und war schon immer ein unabdingbarer Teil unserer Gesellschaft.

Essen ist Genuss und Kommerz zugleich. Essen selbst ist eine Form der Kunst. Kunst ist es auch, richtig zu essen, was auch immer das bedeuten mag. 

Wenn ihr noch nicht volljährig seid, kommt ihr kostenlos in die Ausstellung, also lasst sie euch nicht entgehen. Bis zum 7.September wird das Essen noch in den Rahmen bleiben und im c/o Berlin am Zoologischen Garten auf euch warten.


Theater – besser als Kino, warum dann unbeliebt?

Allgemein, Berlin, Kunst Überall

Keine Coca-Cola, keine 3D-Brillen, aber trotzdem rote Sitze. Und Menschen, die tatsächlich vorne stehen und spielen, Emotionen zeigen, einen vielleicht sogar anschreien. Ganz nah dran, authentisch und echt fühlt sich alles an. Mit den einfachsten Mitteln wird man dazu eingeladen, nicht einfach zuzuschauen, sondern eine Geschichte zu erleben. Warum ist das Theater dennoch ein eher unbeliebtes Ziel für viele Jugendliche? 

Kein Popcorn, dafür echte Emotionen. Warum gehen Jugendliche trotzdem so ungern ins Theater?

Das diesjährige „Augenblick mal!“-Festival will sich nicht nur Fachleuten öffnen, sondern auch dem jungen Publikum selbst. Das hat jedenfalls der junge Moderatorin Han auf der Festivaleröffnung gesagt. Dieses Jahr scheinen sie dem Ziel näher als in den letzten Jahren, sagt Kay Wuschek, Intendant des Theater an der Parkaue.

Verglichen mit anderen Theaterfestivals sitzen bei der Eröffnung schon mal nicht nur Vorsitzende und Theaterschaffende, sondern auch Studierende. Wenigstens ein paar junge Gesichter. Ein bisschen fühlt man sich dennoch fehl am Platz unter den vielen Erwachsenen als eine von wenigen Jugendlichen, doch wir wollen uns zeigen. Für wen sonst sind denn die Inszenierungen?

„In Bremen sind Theaterbesuche für Schulklassen kostenlos“, erzählt Meret Mundwiler, Schauspielerin des aufs Festival eingeladenen Stückes „Waisen“. „Und auch wenn sie verpflichtend dort sind, haben junge Menschen Gefallen daran.“ Tatsächlich werden die Stücke während des Festivals auch von Schulklassen besucht, aber wie viele Jugendliche und Kinder gehen eigenständig ins Theater? 

Theater ist eben nicht so fancy, Filme schauen ist da irgendwie einfacher, als sich mit dem Theater zu beschäftigen. „Keine Ahnung, warum, ich gehe einfach nicht mit Freunden ins Theater“, sagt meine Festival-Kollegin Luise Ahles (16). Trotzdem ist das Theater ein lebendiges Medium, um über wichtige Themen aufzuklären oder auf eine andere Weise an Schullektüre heranzugehen. Viele wichtige Themen werden auch dieses Jahr auf dem Festival einbezogen, wie Rassismus, Unterdrückung und Moralvorstellungen, aber auch Familie und Identität. Schade nur, dass nicht noch mehr junge Leute die Wirkung der vielen Theaterstücke spüren.

Theater als gängige Unterhaltung für Jugendliche? Das „Augenblick mal!“-Festival setzt sich jedenfalls dafür ein

Durch Projekte und Möglichkeiten, bei denen Kinder und Jugendliche selbst ins Spielen kommen, wird die Beziehung zum Theater hier nochmals auf eine ganz neue Weise geschärft. Auch das Festivalmagazin „Hinguckerinnen“ wurde von Jugendlichen unter professioneller Anleitung selbst gestaltet.

Es dauert wohl noch eine Weile, bis Jugendliche wirklich regelmäßig ins Theater gehen. Warum, weiß keiner so genau. Das „Augenblick mal!“-Festival setzt sich jedenfalls dafür ein.

Dieser Beitrag ist auch auf „spreewild“ der Berliner Zeitung erschienen. Vielen Dank für das Veröffentlichen

6 Berliner Obskuritäten

Allgemein, Berlin

Berlin ist weit mehr als Touristen zu sehen bekommen und oftmals muss man ein wenig um die Ecke denken, damit einem die Facetten dieser Stadt sichtbar werden. Hier eine kleine Tour durch Berlin und ihre Eigenheiten:

Weg mit den alten Klischees! Lasst uns lieber neue erfinden! 

  1. Berlin hat ein ernstes Verhältnis zu den ÖVP Die gelben Straßenbahnen sind so etwas wie die roten Busse von London und die „Cabs“ in New York, was sie aber von diesen unterscheiden, ist das gekonnte „liebevolle“ Verhältnis zu den Berliner. „Weil wir dich lieben“ so lautet auch der neue Slogan und wird von den Passagieren liebevoll ironisch aufgenommen. Wahrscheinlich schafft es auch kein anderer öffentlicher Transportdienst auf der Welt, über sich selbst und die eigenen Fehler zu lachen und damit zu werben.

2. Berlin ist keine alte Stadt . Viele Rentner haben in Berlin und Deutschland Armutsstatus, d deshalb ist es nicht überraschend, wenn vor allem ältere Frauen und Herren in der Stadt Flaschen sammeln oder draußen schlafen. Einige verkaufen auch die beliebte Currywurst im mobilen Imbissstand.

3. Berlin ist bunt und grau zugleich. Berlin ist in vielerlei Hinsicht bunt, auch wenn die Stadt oft kahl und grau erscheint. Die Regenbogenbewegung und deren Toleranz ist ganz groß geschrieben und man könnte sogar sagen, sie ist zu einem Charaktermerkmal der Stadtkulisse geworden.

Das Herz der Berliner schlägt auch für den Multikulturalismus in all seinen Farben, auch wenn es immer einen Teil gibt, der sich lieber für die rigide „Bewahrung der Heimat“ ausspricht. Egal, was für Berliner, sie alle essen liebend gern die Köstlichkeiten des Orients wie Falafeln, Börek und Baklava. In manch einem Kiez findet sich sogar ein Falafelstand am Spielplatz und natürlich jede Menge asiatischer Restaurants. Neben all dem bewahrt man sich aber immer, wirklich immer, Platz für eine Bratwurst, denn ohne Bratwurst geht gar nichts. Bewahrung der Heimat würde ich sagen, aber eben auf unschädlicher Ebene- auch wenn die Bratwurst ursprünglich aus Thüringen kommt. Was viele überrascht aufschauen lässt, ist, dass wir sogar ein ganzes Currywurstmuseum haben, was erklärt, woher das Curry kommt und wie wir zu der Wurst kamen.

        "Also, die Wurst schmeckt jeden Freitag anders!", sagte einst ein schmatzender Berliner am Stand. 

5. Berlin ist arm aber sexy In Berlin geht es (oft) nicht ums wer-besitzt-mehr, sondern wer ist wie und wer am schrägsten, deshalb sind reiche aufgetakelte Persönlichkeiten eher eine Seltenheit in der öffentlichen Sphäre. Stattdessen tummeln sich die interessantesten Modetrends in der S- und U-Bahn und wer rein gar nichts außer ein Fahrrad trägt, der kann sich freuen, dass es keinen Dresscode gibt. Bei den rund 4Millionen Einwohnern ist jeder einzigartig und ein Rätsel für sich, denn wenn man hier nur ein wenig Zeit verbringt, lernt man die kreativen Eigenheiten und die so-what?- Einstellung. Immer mal wird man von aus Mülleimern ragenden Tannenbäumen, Fahrstuhlchats und neugegründeten Plätzen überrascht.

4. Berlin ist ein work in progress Wie in einem Suchbild verschiedener Niveaustufen lässt sich auch in jedem Foto von Berlin mindestens eine Baustelle oder ein Kran finden. Die Stadt ist bereits berühmt für ihre Absperrungen, Kräne und Sandhügel. Egal wo, überall wird gebaut oder renoviert und möge man ein wenig in der Geschichtsschublade stöbern, finden sich viele Gründe dafür. Allein deshalb ist es in Berlin auch so besonders, keine richtige Altstadt zu finden, wie in anderen Städten. Die Historie ist überall verstreut und versteckt sich zwischen Glasbauten und neuen Betonhäusern. Wofür die Stadt natürlich auch berühmt geworden ist, ist der niemals endende Bau des Flughafen BER. Jedoch sollte man dieses Thema nicht bei Berlinern ansprechen. Das führt nur zu Verzweiflung.

6. Hier spielt die Kunst Wenn Glasgow als Musikstadt Schottlands gilt, so ist Berlin sicherlich als die Kunststadt Deutschlands (und Umkreis) definierbar. Bronzeskulpturen finden sich sogar neben pinkelnden Männern und es gibt zu jeder Zeit mindestens eine Kunstausstellung, die ein absolutes Muss für jeden (Kunstliebhaber) ist . Kunst ist aber weit mehr als Ausstellungen und in Berlin findet sich deshalb in jeder Straße eine kreative Form des Alltäglichen. Ja, allein manche Person kann als Kunstwerk gesehen werden und es muss nicht das Make-up sein.

Was sich unter dem Seidenkleid versteckt

Allgemein


Das Licht ist perfekt, die Location – eine Saune im Paradies. Die einzigen ruckhaften Bewegungen kommen vom Fotografen. Aus seinem Mund kommen Töne, als habe er einen Orgasmus. „Oh ja, gut so..” „Mmmh, das ist perfekt” Sie erwidert nichts, nur die langsame Bewegung ihrer Körpers in andere Postionen antwortet, während er den Blickwinkel ändert und das Klicken der Kamera sich überschlägt. 

Es widert mich an und ich lege den Gedanken ab, nein so abartig können sie doch nicht sein. Und wenn doch? 

Februar 2019 in der Elle abgedruckt, eine Frau unter der Dusche, das Wasser rinnt tröpfchenweise ihren Körper hinab. Sie ist bildhübsch, mit dünnen Armen und dunklen Linien an den Flanken- Rippen hinter der dünnen makellosen Haut. Die Brust klebt am Rücken. Das Einzige, was zu sehen ist, sind die Brustwarzen. 

Die weite Hose verbirgt ihre Beine, aber ihr Rücken zeigt sich in seiner Gänze und ich kann jeden Wirbel sehen. Sie steht an der Küste, denn im Hintergrund schlagen Wellen gegeneinander und sie genießt es. Die dünnen Haare hängen schlaff.

Elle Germany 2019

Was will mir dieses Bild jetzt sagen? Soll ich mir jetzt fett vorkommen? Was will die Modebranche mir vermitteln, wenn ich die leeren Augen der Models sehe während sie ihre dürre Nacktheit präsentieren? Soll ich denken, dass ich teurer Mode nicht würdig bin, wenn meine Knochen nicht aus der Haut herausstechen?

Tatsächlich, hatte ich eine Phase, in der mein Becken herausstach aus meinen Hüften und meine Rippen hervortraten – im Gegensatz zu meinem Busen und meinem Hintern.  Mein Schlüsselbein zeigte sich deutlicher als mein Gesicht und meine Augen waren von graublauen Ringen umrandet. Auch meine Haare hingen leblos herab und wurden immer weniger. Schöne Kleidung bekam ich nicht, auch keine Fototermine. Im Gegenteil wurde ich in eine Klinik gesteckt. Abgesehen davon, konnte mich Kleidung nicht mehr zufrieden stellen, nicht mehr besser aussehen lassen. Egal was ich anzog, es hing einfach wie an einem Bügel. Mein Körper war so kantig und zerbrechlich geworden, auch wenn ich das nicht so stark wahrgenommen hatte.

Es gab Tage an denen ich mich nicht sehen wollte- ich war so ekelhaft, so massig.   Manchmal aber lächelte ich mir entgegen und kam mir so hübsch und elegant vor. Leicht und schamlos fühlte ich mich, doch die Beachtung und Zuneigung, die ich mir unbewusst erhofft haben muss, bekam ich nicht. 

Die dünnen Mädchen der Modelabels, die so präsent und selbstverständlich auf Postern und Fotos abgebildet sind, haben diese Anerkennung wahrscheinlich erhalten und sie sind dabei geblieben, noch mehr an sich zu arbeiten. 

Professionell sollen sie wirken, seriös, aber ich sehe nur den leeren Blick, der mich von der Innenseite der Glanzzeitschrift anschaut.

Roberto Cavalli Spring 2019

„Sie sieht nicht glücklich aus, ganz im Gegenteil” Glaubt jedoch niemand, dass sie unvergleichliche Glücksgefühle empfinden kann.  

Unser Körper wird von vielen Faktoren beeinflusst, unteranderem vom Hormon Serotonin, das ausgeschüttet wird, wenn wir glücklich sind, aber auch wenn wir uns nur aufs leisten, arbeiten und bewegen konzentrieren, wenn wir damit an unsere Grenzen stoßen und nicht essen. Es fühlt sich an, als habe man etwas erreicht oder ein kleinen Schub der Kraft, des Adrenalins bekommen, wie ein Marathonläufer, der sein Ziel vor Augen sieht. 

Dadurch motiviert, heißt es nur noch etwas mehr formen, etwas mehr tun und mehr von diesen Glücksgefühlen fühlen. 

Dann gibt es auch Beachtung, dann gibt es auch Verträge. Dann darf ich mich zeigen und gesehen werden. Ist es nicht das Ziel eines jeden Models? 

Was macht man nicht alles für das Glücklich sein und wenn es heißt, ein bisschen dürr zu sein na und, wenn man dafür erfolgreich und beachtet wird.

2018 und bei Germany’s Next Topmodel ist zum ersten Mal eine „normales” Mädchen im Finale. Fragt sich jetzt nur:  Ist sie für Klums Image so weit gekommen oder hat sie tatsächlich den Blick für nicht-magersüchtige Schönheit geschärft? Ich liebe die Kurven aus üppigen Busen und wohlgeformten Hintern, am besten mit ausdrucksstarkem Gesicht. 

Solche Mädchen bekomme ich sehr selten zu sehen und wenn, dann sind sie sicher eigentlich Schauspielerinnen, eigentlich nicht in der Modebranche.

 Ich verstehe nicht, warum dünne Models bevorzugt werden und viel häufiger erscheinen, wenn doch alle an Gesundheit appellieren und normal „dicke” Menschen viel lieber auf Fotos sehen. Wie kann das Ideal den Zustand darstellen, den wir vermeiden wollen? 

Ich kenne so viele berühmte Frauen, die ganz sicher als dick abgestempelt würden, wären sie nicht berühmt. Stattdessen werden sie überladen mit Fotoshootings und Testimonie. Ich glaube nicht daran, dass es nur am Status liegt. Wir sehen einfach Persönlichkeit. Da wo kein Körper ist, kann auch kein Platz für Persönlichkeit sein.

Alle sagen, wir dürfen so nicht weitermachen, aber dünn bleiben sie noch immer. Oversize-Models gibt es doch auch. Ja, aber die Magersüchtigen gibt es noch immer- für wen? 

Wer hat den Gewinn, wer das Kapital? 

Wer will mir erzählen, dass wir uns in eine so viel bessere Richtung bewegen. Schaue mir die Show von Versace 1992 auf Youtube an und bin erstaunt wie natürlich und lebendig die Models laufen. Ohne eingesunkene Wangen oder knochige Beine. Sie schwingen die (vorhandenen ) Hüften und formen die Kleidung. Sie sind makellos – mit allem wonach die Frauenzeitschriften preisen: geformte Beine, Busen, Bauch, Gesäß. Klar, sie sind schlank, realitätsferner als die durchschnittliche Frau, aber wenigstens sind sie lebendig und kein Gerippe. 

Überall das selbe Bild der verkommenen Schönheiten, die sich mit Grazie maskieren.

Ist ein leerer müder Blick jetzt das neue Schönheitsdeal? Gekrönt von schmaler Statur mit dünnen knochigen Beinen und ausgehungerter Brust. 

In der Schule stand fast immer die Frage im Raum – Was will der Künstler/Autor/ Dichter damit sagen? Was ist seine Intention? So, nun frage ich mich, was wollen die Modeindustrie, Designer und die Herausgeber teurer Magazine mir sagen, wenn ich mir Bilder von dürren Mädchen in schönen Kleidern anschaue? 

Denke man durchweg rational und kapitalistisch, ist das Ankleiden magerer Models viel Stoff sparender und damit auch weniger teuer. Die Mannequins müssen ja den Modellen entsprechen und wenn diese auch noch etwas dünner sind als die eigentlichen Entwürfe, na umso besser.
Der Grad dieser Kaltblütigkeit und Unmenschlichkeit ist so enorm, dass ich unsere Gesellschaft als zu gut dafür betrachte. Hoffentlich bin ich nicht allzu naiv, das zu glauben. 

Gab es jemals eine Zeit in der sich Models von den Frauen, die tatsächlich auf den Straßen liefen, unterschieden? Kurzes Gedankenspiel: Was würde passieren, präsentiere man ein Model aus der Zeit der 50er Jahre? So ganz hypothetisch. 

Aus heutiger Zeit betrachtet liegt die Modelfigur unter dem Durchschnitt – In der normalen Welt, in der ich lebe, in der Stadt, in der ich Menschen sehe, gibt es nur einen sehr kleinen Anteil, die wirklich wie aus einem Modemagazin herausgeschnitten sein könnten. Davon sind wahrscheinlich die Hälfte magersüchtig.

Ja allein in Deutschland liegen die Zahlen der Menschen mit Magersucht zwischen    150 000 und 200 000, wobei viele von ihnen noch nicht einmal 20 Jahre alt sind ( Institut für Diätetik und Ernährungsmedizin ).

Mag sein, dass Modezeitschriften nicht für jüngere Generationen publizieren, aber verschließen können sie denen die Augen nicht. 

„Achtet überhaupt jemand auf das Model, wenn Mode gezeigt wird?” Ein äußerst scharfkantiger Einwurf, der natürlich Skepsis aufwirft, denn natürlich denken alle Mädchen/Frauen nicht sofort, sie müssen ebenfalls so dünn sein, um als schön, als modelgleich, gesehen zu werden. Wenn die Mode im Mittelpunkt steht, was kümmern einen dann die Models? Vielleicht tun sie das ja nicht, aber bemerken, aufnehmen und verarbeiten wir dennoch das Bild in seiner Gänze. Die Ästhetik, wo bewegt sie sich hin. Welches Auge wird geschmeichelt von ausgehungerten  Schönheiten? 

Verstohlen blättere ich in den glänzenden Seiten der zahlreichen Zeitschriften, blicke  die Models mit ihrer schönen Haut und ihrer Eleganz an. Es ist nicht nur die Kleidung, die sie präsentieren – Sie verkörpern die Gesellschaft und deren Werte, allein durch sich und ihren Körper, ihren Ausdruck und ihren Hintergrund. 

Ich will nicht so sein, ich muss nicht so sein und doch ist da eine stille Botschaft:  „Das ist die Schönheit, wie sie gesehen werden will, wie sie nicht nur akzeptiert, sondern auch vergöttert wird.” 

Alles Interpretation könne man meinen, doch die ist auch einfach ein Teil unserer Wahrnehmung. Unbewusst und schleichend. Langsam wurde das Bild, wie Frauen auszusehen haben, verändert. Wie wir aussehen sollen, entscheiden wir zwar selbst, doch das Ideal verschiebt sich immer mehr in Richtung Size 0. 


Als mein Zimmer jüdisch wurde

Allgemein, Learn, Stories


Self-made Literatur to go

Sie legt die Kaugummipackung zurück in die Schublade. Auch wenn sie noch genug Platz hat, aber die würde sie wahrscheinlich sowieso nicht brauchen. Was dann? Sie blickt  in ihren bunten Stoffbeutel- Zahnbürste, Holzkamm, ihre Stoffpuppe Ida und ein kleines Büchlein mit Stift, in dem sie manchmal notiert, was sie sieht oder denkt.

Ohne zu klopfen wird die Tür aufgerissen und ihre Mutter steht mit  Fatha im Arm. Sie versucht, das sich wehrende Baby mit noch mehr Kleidern zu bedecken, als sie ohnehin schon an hat.

,,Bist du fertig?”

,,Nein, ich brauche nur noch ein paar Minuten”

,,Na gut, aber dann komm und hilf mir.” Sie klingt gehetzt und so geht sie auch wieder davon. Hin und her schweben ihre Finger über den Regale. Ob sie noch ein Buch mitnehmen sollte? Papa hatte ihr gesagt sie solle sich mehrere Paar Schuhe mitnehmen, Feste versteht sich, also werden sie viel laufen. Da wird sie sicher keine Zeit haben zum Lesen. Was sie wirklich brauchen wird, merkt sie erst, wenn sie es nicht hat, so ist es immer. Ist es dann aussichtslos, überhaupt nach brauchbaren Sachen zu suchen?  Sie dreht sich um und lässt ihr ganzes Zimmer auf sich wirken. Es ist so ruhig und friedlich- aufgeräumt und unberührt.

Sie hört ein stilles Lebewohl von ihrer Seite. Daraufhin: die Antwort all ihrer Habseligkeiten mitsamt der Wände. Elisha hatte ihre Eltern eines Abends belauscht.  In der Küche hatte sie ihre Stimmen gehört zusammen mit Stimmen, die sie nicht zuordnen konnte. Die Wortfetzen handelten von Geld und Transportmitteln, das reichte ihr, um zu verstehen. Was für eine Angst sie hatte, das Pochen ihres Herzens würde sie verraten.

Sie ist nicht dumm. Ganz im Gegenteil gehört Elisha zu den besten Schülern ihrer Klasse, als sie noch zur Schule ging.. Seit ein paar Wochen war sie nun schon zu Hause und eigentlich hatte sie gedacht, sie würden alle wieder mit dem Unterricht fortfahren. Jetzt erinnert sie sich nur noch daran, wann sie Amalia das letzte Mal  gesehen hat. Es scheint wie ein anderes Leben.

Sie hat nicht erwartet, ihr Heim verlassen zu müssen auch wenn sie schon früher bemerkt hat, dass viele Kinder nicht mehr zur Schule gekommen sind. ,,Umgezogen”, bekam sie zu verstehen, aber sie verstand nicht. Warum wollten so viele Familien umziehen? Es ist doch so schön hier: Die Sonne und die sandigen Häusern umrankt von bunten Sträuchern und Palmen. Die süßen Datteln, genoss sie auch- mitgebracht von Mama und Papa. Einige  Menschen auf der Straße wirken zwar bedrückt und verbittert, aber das war doch kein Grund wegzuziehen.

,,Kommst du nun endlich?!” Sie erschrickt und hastet  aus ihrem Zimmer. Ihr Vater packt eilig noch immer die Essensvorräte in Rucksäcke. Die Küche ist so sauber und leer, genauso wie das Haus- als habe nie jemand darin gewohnt.

Ganz leise fühlt sie das Prickeln, die Aufregung vor dem Aufbruch.  Zum einen kann sie es kaum erwarten, andererseits hat sie Angst. Furchtbare Angst vor dem Sturm der fremden Welt. Egal, wohin sie gehen würden, es könnte nicht besser sein, als die Sonne umrahmt von ihrem Fenster mit den gemusterten Gardinen.

Immer zu dreht sie den Kopf nach hinten, und sieht, wie ihr Zimmerfenster  kleiner wird und das Haus mit der Straße und den anderen Häusern verschmilzt. Sie fürchtet sich, zu fragen, wo sie jetzt hingehen würden. Niemand sagt ein Wort während sie laufen. Der Steinboden ist langweilig also schmult sie immer mal auf die andere Straßenseite. Familien und Jugendliche hasten in der sommerlichen Hitze. Ein Mann telefoniert neben einem Hauseingang und fängt plötzlich ihren Blick.

Bis zu dem Zeitpunkt hat sie sich nie gefragt, warum sie ihr Heim verlassen müssen, denn sie sah auch Menschen in Häuser einziehen. Vollbeladene Autos und LKWs  vor den Hauseingängen der Nachbarstraßen. Die Kinder hatten andere Puppen und Spielsachen, die sie nicht kannte und die Mütter trugen kein Kopftuch. Irgendwann würde sie sich sicher eine Antwort geben können.

Sie sieht die Last in den Augen ihrer Eltern, aber vielleicht ist es auch nur ihr eigene Last, die sie auf dem Rücken spürt.

Ihr Leben wird nicht mehr so sein, wie es einmal war, aber vielleicht war das auch ganz gut so.

Minimalism – Maximum Joy?

Allgemein, Learn

Today I wanted to mention a topic that seems to become more and more of importance to the public. Many years people already started changing their lives despite their belongings and today we aim the goal of minimalism more and more as it seems to me. 

Minimalism got even a topic in my English exam and this has to mean something, right? 

Minimalism is not the only stream that breaks through the surface of mainstream; it goes hand in hand with sustainability, consciousness and an anti-consumerism. 

In fact, many people start to rethink their live despite what they eat, what they buy( and for how much!) and what they do all day. 

This process is of course not easy and meets a lot of obstacles, but if we really stuck on it, we achieve happiness. 

Though, of course one may ask how this can be? People buy more and more things in hope to be more happier and to throw away more would mean the opposite, right? 

I haven’t achieved this state of happiness yet, but as a younger person  I am still on my journey concerning these aims. It is the constant confidence for the little things you start to notice and value. As if after throwing all the waste, not particularly literal waste, away you find the relief. 

To help you maintain that goal we can find so many possibilities to guide us through our way, many of them are in English, that’s why I am writing in English as well. 

I listen to the podcast the Minimalists which is not actually a guide line but a nice funny way to think about the questions and goals minimalism is attached to. 

Two friend from the US have lived their lives as a „normal“  family including all the stuff and money, but then they both changed the way they want to live and shared their story via book and movie. In their podcasts they answer questions about plenty of topics in life and share their point of view. 

Note: I don’t get any money or anything for making this credit, but they are simply nice. 

Another thing I would like to share is the book The More of Less by Joshua Becker. It was also translated in German and Is called Weniger macht reich.

Joshua shares his story as well. He is a  priest in the US and wrote about his aim in a blog, which got a lot of attention only after several months of blogging . In his book he describes obstacles within this journey and gives help on many problems concerning living with less. Even though some ideas may sound radical first, they are worth to try at least. (For example, trying to live without a phone  for one week, two weeks, etc.) 

I really liked the way he tells his own story and how he started, with that he knows and mentions the challenges one can get throughout this aim. 

Even if you don’t want to become a complete minimalist, you don’t have to go hardcore immediately.  Still, it is worth to try, to get at least the notion and to get a different view on many different things. 

Bildergebnis für minimalism life

Wer soll dafür sorgen, dass die Dinge so verlaufen, wie du es dir vorstellst?

Allgemein, Learn

DIE SINNES- DIÄT

Halt! Stopp! Nicht denken! Jetzt, jedenfalls für einen kurzen Augenblick, denn denken wird noch gefragt werden. Unsere Gedanken werden gelenkt, durch alles was uns umgibt, somit sind sehr davon abhängig, wie wir Dinge wahrnehmen.

Diät heißt nicht sofort, eine weitere Methode anders zu essen. In diesem Fall wird erklärt-  Diät bedeutet Lebensweise und dieses Buch strebt an, uns eine Lebensweise reich an Sinn zu geben. Was Sinn überhaupt ist und ob wir ihn überhaupt brauchen, wird natürlich auch vorgestellt.

Viel wichtiger ist, was das Gelesene mit uns macht, denn jedes Rezept, scheinen wir zu brauchen. Keine Kochrezepte, nein. Ein Rezept, ein Aha- Moment im Sturm der Fragen. Gleichzeitig scheint jeder Satz wie eine Herausforderung.

14 Rezepten entsprechen den 14 Kapitel  zu den Themen: Glück, Unzufriedenheit, Kommunikation, Unbekanntes, Freundschaft, Liebe, Gut und Böse, Perfektionismus, Tod, Angst und Zeit. Vor allem das Thema, nein eher Problem, Zeit, ist für uns ein markanter Punkt. Wir haben kaum Zeit und beschäftigt sein ist ein 24/7 Status.

Wer nicht aufpasst und macht über sich gewinnt wird von der Zeit verschlungen.

Wir können keine Zeit gewinnen indem wir sie sparen. Die Zeit wird immer weniger statt mehr.

Oft dachte ich mir, ob das ernst gemeint ist, ob das stimmt und man darf und soll ja auch nicht alles glauben. Hinterfragt! Das ist ebenfalls eines der Ziele dieses Buches. Zweifelt weniger und lauft nicht in eurem eigenen Hamsterrad, denn wir haben schon alles was wir brauchen, wir müssen uns dem nur öffnen. Mit jedem Rezept entdecken wir verborgene Fragen und Gedanken über unser selbst und den Menschen an sich.

Wir denken oft ,,Damit habe ich doch nichts zu tun. Das brauche ich nicht.”  

Erschreckend ist: das Buch hat seine Bestsellerlistenzeit zwar schon hinter sich, trotzdem passt jedes Problem in unser Jahrzehnt.

Traurig, dachte ich mir beim Lesen, denn anscheinend hat sich die Menschheit nicht weitgehend  entwickelt. Wie gut, dass es auch heute Gegenbewegungen gibt und Bücher, wie dieses, die uns die Augen und Köpfe öffnen wollen.

Sich losmachen vom fixieren der Dinge. Alles verändert sich. Nichts ist vorhersehbar. Nichts ist kontrollierbar. Schon gar nicht unser Leben.

Ein bisschen komisch ist es schon, dass die Philosophin und Autorin Rebekka Reinhard mit philosophischen Beratungen Menschen zu eigener Besinnung bringt. Einige lustige als auch merkwürdige Ereignisse in diesen Beratungen gibt sie wider und lässt uns nicht nur durch sie unseren eigenen Gedanken freien Lauf.  

Eudaimonia 

Sie schlägt auch eine Brücke zu verschiedenen Philosophen und philosophischen Richtungen und zeigt, was wir lernen können. Was wir aus dem Buch mitnehmen liegt ganz bei uns , denn wir müssen nicht alles sofort als wahr und richtig bezeichnen. Es gilt aber, den Blickwinkel zu erweitern und freisinnig in die Welt zu blicken.

Durch dieses Buch habe ich mehr gelernt, als mir jetzt wahrschienlich bewusst ist und ich lebe mit dem Ziel, das Leben als ein Kunstwerk zu sehen. Ein wunderschöner Gedanke, der auch aus diesem Buch stammt.

Unser Leben ist keine Option. Unser Leben ist wirklich und einzigartig. Es gibt keine Alternative. Wir müssen es leben.

Für wen ist ,,die Sinnes-Diät” ?

  • Für Menschen, die den immergleichen  Alltag satt haben, die aus ihrem Hamsterrad flüchten wollen, wenigstens gedanklich.
  • Für menschen, die bereit sind ihren Geist zu fördern
  • Für Menschen, die einfach nur dem Leben näher kommen wollen

Danke für dieses Buch, Rebekka Reinhard! Die Sinnes-Diät 

Wer soll dafür sorgen dass die Dinge so verlaufen wie du es dir vorstellst? – Seneca

Flügel aus Wachs schmelzen, Preise nicht

Allgemein, Berlin

Er spannte die Flügel. Endlich konnte er fliegen und den Himmel näher sein, um in die Freiheit zu gelangen. Doch das war auch sein Verhängnis. Die Flügel mit Wachs befestigt schmilzten durch die Strahlen der Sonne und seine geliebten Flügel ließen ihn in den Tod stürzen. Ikarus hatte einen Traum gewagt und war gestorben.

Was hat das nun mit Theater zu tun?

Ganz viel! In der Kinder- und Jugentheaterszene Berlins wird viel Aufwand betrieben, um Kindern ein größtmögliches Erlebnis zu bieten. Immer wieder wird kreativ gegrübelt und getüftelt, wie Themen und Geschichten im Theater umgesetzt werden können. Bei so viel Kreativität wird stets auch gewagt und dabei manchmal in den Ozean gefallen.

Der IKARUS-Preis wird deshalb für Inszenierungen verliehen, die nach der Meinung der Jury erfolgreich geflogen sind.

Dieses Jahr wurde diese Auszeichnung nun schon zum 16. Mal verliehen- aus 8 Stücken musste sich die Jury entscheiden, doch diesmal nicht bloß eine Jury.

Kinder und Jugendtheaterstücke, von Erwachsenen gespielt und bewertet, aber wo bleiben da die Kinder? Ganz genau!

Glücklicherweise gab es dieses Jahr zum allerersten Mal eine ausgewählte Gruppe aus Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren, die ebenfalls einen eigenen Preis vergeben durfte.

Dass alle 8 acht Stücke potenzielle Gewinner sind, wurde mit jedem weiteren Besuch klar, bis der Punkt der Entscheidung kommen musste. Eine Jury hatte die acht Nominierungen aus 40 Stücken herausgesucht und deshalb konnten alle bei der Preisverleihung einen kurzen Einblick in die Vorstellung der Besten der Besten bekommen.

,,Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, vor allem weil alle Stücke so unterschiedlich sind und eigentlich nicht vergleichbar- “

,,Aber wir haben uns entschieden!” In der Tat, das hatten sie, doch bevor der Gewinner verkündet wurde, hatten alle riesig Spaß bei der Preisverleihung am 7. November. Schuld daran waren vor allem die 4xSample Beatboxcrew, die beeindruckend und witzig aus jedem detail eine musikalische Performance kreierte

 und der Moderator Raphael Hildebrand, der mit breitem Lächeln und viel Humor charmant durch das Programm führte.IMG_4924

Die Märchen Hans im Glück, Schneewittchen und Die Bremer Stadtmusikanten wurden auf originelle Art neu erzählt. Verstörend und exzentrisch zugleich entführte die Parkaue mit Liedern und Neonfarben in ihre moderne Inszenierung. Die Geschichte der Aktivistin Malala wurde gezeigt. Wir wurden über die Umstände der Hühner in Massentierhaltung musikalisch aufgeklärt. Madagaskar wurde zum neuen Ziel, wenn ein Junge keine Liebe mehr von seiner Mutter erhält und die Geschichte des Mauerbaus in Berlin wurde mit Live-Musik und Witz, aber auch mit Dramatik durch eine Familie verdeutlicht.

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  Dann kam endlich der Moment der Enthüllung und der Gewinner für die 10 jungen Juroren wurde lauthals ins Publikum gerufen: ,,Einmal Schneewittchen, bitte!” Tosender Applaus und Anna Fregin, die Puppenspielerin, läuft mit breitem Grinsen auf die Bühne zu.

Kurze Zeit später, nachdem die zwei Beatboxer den Saal zum Lachen brachten und die Spannung bis zur Decke schoss, gab es einen zweiten Moment der Enthüllung: die Jury entscheidet sich für die Hühneroper und somit steht der zweite Gewinner des Jahres fest.IMG_4925

Konfettiregen und Rosengewirr, dazu werden insgesamt 7.500 Euro auf der Bühne festgehalten und alle Nominierten stürmen auf die Bühne.

Was für ein Fest.ikarus_gruppenbild-preistraeger_kay-herschelmann

Neugierig?

Hier bekommt ihr alle Nominierungen auf einen Blick- nur zu empfehlen! https://www.jugendkulturservice.de/de/theater/ikarus/ikarus-2018/

Hört auch gern bei den Beatboxern rein!  http://4xsample.de

 

Tapete fliegt am blauen Himmel und ich schreie nach Hilfe

Allgemein, Learn

Manchmal, wenn wir so vereinnahmt sind von unserem Alltag, in ein und dem selben Ablauf mit vielleicht ein paar Abweichungen feststecken, dann sehnt sich unsere Seele nach Veränderung. Einem Schwung , einer frischen Brise aus einer unentdeckten Gegend.

Wir bleiben stehen, schauen hoch zum strahlend blauen Himmel und fragen uns: Was brauche ich? Was sollte ich ändern, um nicht einfach so weiterzumachen wie bisher?

Der Himmel antwortet nichts. Natürlich- denn, es liegt an uns, herauszufinden, was wir verändern sollten. Brauche ich eine neue Frisur oder ist doch  Größeres von Nöten, um mein Leben ein Stück neuer zu gestalten. Tapetenwechsel, bitte! Aber wozu Tapeten wechseln, wenn wir sowieso nie zu Hause sind? Gut, dann immer einen neuen Weg wählen, bei  Arbeit zu fahren, aber reicht das aus?

Im Herbst einen Frühjahrsputz machen, den Kleiderschrank ausmisten, Neues finden und Altes spenden. Vielleicht ja doch ein neuer Haarschnitt. Vielleicht trage ich ab jetzt nur noch schwarz.

Die Pariserin in mir betrachtet das Problem psychoanalytisch. Ich habe ein tief in mir liegendes Bedürfnis, das nicht gestillt ist und auf trivialem Wege versucht, sich zu zeigen. Tapetenwechsel ist ein Zeichen für den Wunsch nach Veränderung, aber auf welcher Ebene? Ich bin mir sicher, wenn ich einen neuen Haarschnitt will, will ich weit mehr als einen neuen Haarschnitt.

Es wird Zeit, mal einen Schritt zurückzutreten und sein eigenes Leben, den eigenen Standort, von der Seite zu betrachten.

Wenn wir all das Zeug, was uns vermeintlich glücklich macht beiseite schieben, wenn wir die Augen öffnen für das, was uns wirklich wichtig ist, dann können wir auch entdecken, was wir brauchen.

Es ist nur dieser kleine Trippelschritt, der gemacht werden muss- objektiv einen Blick auf sein Leben werfen und sich konkrete Fragen stellen: Wie sieht mein Alltag momentan aus? Mit welchen Dingen beschäftige ich mich am Meisten? Was möchte ich eigentlich tun? Wann bin ich nicht ganz anwesend?

Ein neuer Haarschnitt ist eine Veränderung, die es wert ist, ausprobiert zu werden, aber nicht nur. Wie fühle ich mich, wenn ich mich nicht nur verändert im Spiegelbild sehe, sondern auch noch zufrieden?

Tapetenwechsel heißt Veränderung nicht nur mit dem, was wir sehen, sondern mit dem was wir erleben, also schmecken, riechen, fühlen und hören. Probier‘ Neues aus! Ganz neues, etwas woran du gar nicht gedacht hast, gar nicht in Erwägung gezogen hast zu tun und beobachte, was es mit dir macht und wie es dich verändert.